Teuflisch gut
Die Bühne ist fast leer. Nur ein Sessel, darin ein Mann in «Arbeitskleidung: Maske, winzige rote Hörner, Trainingsanzug. Der Titelheld. «KathoTV» zeigt unterdessen Bilder eines sterbenden Papstes, der irgendeinem heilbringenden Ritus vorsteht, und unsichtbare Chöre aus himmlischen Phalanxen, Cherubim und Pönitenten singen dem Herrn diverse Loblieder. In der neuen Inszenierung von Boitos «Mefistofele», die Moshe Leiser und Patrice Caurier für das Teatro La Fenice realisiert haben, sind die Geister nur reine Stimmen, die in der Dunkelheit widerhallen.
Dagegen zeigt sich der Teufel sogleich in seiner ganzen Körperlichkeit den Menschen, die bereit sind, sich seinen gefährlichen Schmeicheleien widerstandlos zu ergeben.
Der Abend ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil schildert den Abstieg in die Hölle nach der verhängnisvollen Begegnung zwischen Mephistopheles und Faust am Ostersonntag in Goethes Geburtsstadt auf der Tribüne eines Stadions inmitten des Fußballspiels einer lokalen Mannschaft (es ist die Eintracht» aus Frankfurt). Der Beginn von Fausts halluzinogenem «Trip» beginnt mit dem Blutpakt, der hier mit einem Schuss Heroin besiegelt wird, den der Teufel direkt in dessen ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Stefano Nardelli
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Sogar Hiob hat es besser getroffen. In Stefan Hertmans historisch inspiriertem Roman «Die Fremde» gibt es für die arme Vigdis keine Erlösung, das macht auch die Opernadap -tion «The Convert (Beten – zu wem?)» von Anfang an deutlich. Die Dissonanzen sind bei Wim Henderickx immer präsent, stechend, warnend. Vor allem aber tragen sie das Gepräge des Zweifels, wenn...
