Flieg, Schwalbe, flieg!
Alle Schwalben fliegen, wenn sie, wie der Volksmund sagt, weiterhin schönes Wetter versprechen, hoch. Diese nicht. «La rondine», so ihr originaler Name, schwirrt irgendwo in den tiefhängenden Wolken umher, ohne je den Weg zur Sonne gefunden zu haben. Die Musikgeschichte hat Giacomo Puccinis Commedia lirica auf eine Stufe mit seinen frühen (Fehl-)Versuchen gestellt, mit «Le Villi» und «Edgar». Ob zu Recht oder nicht, darüber streiten die Gelehrten bis heute, wobei die Mehrzahl sich nicht für bewundernde Anerkennung entscheiden mag.
Allzu wankelmütig in der Gattungsfrage ist die italienische «Schwalbe» – zwischen Oper und Operette scheint es kein Plätzchen für sie zu geben. Eine kräftige Brise «La traviata» weht durch das Stück, eine Andeutung von «Fledermaus»-Flair, ein zarter Duft der «Bohème», sogar an den «Rosenkavalier» wird man erinnert. Ein Kessel Buntes also. In dem auch der Geist von Franz Lehár wohnt. Ihm hatte man zunächst jenes holprige Libretto angeboten, das – nach der Absage des Operetten-Königs – auf Puccinis Schreibtisch landete, geschmückt mit einer geradezu unanständigen finanziellen Offerte: 200.000 österreichische Kronen plus 50 Prozent Tantiemen wollten Siegmund ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Jürgen Otten
Der Weltuntergang hat Konjunktur auf der Opernbühne. Während György Ligetis «Le Grand Macabre» in dieser Spielzeit die Runde an den großen europäischen Häusern macht, wartet das Theater Heidelberg mit der Uraufführung einer weiteren Opern-Groteske auf – mit Ludger Vollmers musikalischer Komödie «Zusammenstoß» nach einem Libretto von Kurt Schwitters aus dem Jahr...
Dieser Nachfolger des großen Caesar übt noch, ein einschüchternder Herrscher zu sein. Zumal das hoheitsvolle Heben des Arms – welches Adolf Hitler knapp zwei Jahrtausende später, antike römische Imposanz imitierend, gar stramm zu perfektionieren suchte – will in seiner Wirkung überprüft sein, um im Einsatz vor den jubelnden Massen dann tunlichst nicht lächerlich zu...
Ein Lob vorweg: In der Neuproduktion von Kurt Weills und Bertolt Brechts «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» an der Griechischen Nationaloper sind alle acht Solisten sowie vier der sechs Chorus-Mädchen Einheimische. Ihre Diktion des Deutschen ist durchweg gut, im Fall von Anna Agathonos als Witwe Begbick sogar geschliffen – und auch der durch Agathangelos...
