Talentiert
Ein unwiderstehliches Angebot für wohlhabende Junggesellen: Für nur 999,99 Euro ist die neueste Kammermädchenversion Vespetta zu haben. Sie wäscht, bügelt, putzt, kocht nicht nur, sondern lässt auch noch die Brüste nach Belieben des Besitzers blinken. Nur dass der Käufer Pimpinone nicht damit gerechnet hat, dass sich die Puppe nach Ablauf der Rückgabefrist in eine echte Frau verwandeln und ihm das Leben schwer machen könnte.
Als moderne Pygmalion-Variante erzählt Ilaria Lanzino das Lustspiel «Pimpinone oder Die ungleiche Heirat» von Georg Philipp Telemann am Staatstheater Nürnberg, wobei die Rokokoausstattung von Emine Güner eine amüsante Brechung mit dem Digitalkauf eingeht. Ruppiger noch in den Besitzansprüchen geht es im zweiten Teil des Doppelabends zu, wenn die Regisseurin mit Béla Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» die Gewaltfantasien eines Mannes gegenüber seiner frischangetrauten Frau ausleuchtet.
Auf die interessante Idee, diese beiden musikgeschichtlich weit auseinanderliegenden Stücke für je einen Sänger und eine Sängerin zu verbinden, ist wohl bislang noch kein Theater gekommen. In Nürnberg ist sie aus praktischen Erwägungen entstanden, was sich mit kleinen, räumlich ...
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Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Stallknecht
Irgendwann wird man zurückblicken auf diese pandemische Zeit und sich fragen, ob man ihr nicht vielleicht doch irgendetwas Positives abgewinnen könnte. Strukturell sicher nicht, dazu machte die Politik den Künsten gar zu deutlich, für wie verzichtbar sie sie hält. Aber es gibt Einzelerscheinungen, die, aus der Not geboren, ganz wunderbar wurden. Gerade in der...
Der Abschied war, im ursprünglichsten Sinne des Wortes: fürstlich. Gefeiert wurde er mit einer Gala, einem opulenten Bildband (dessen Titel «Zur Freude und Erhebung» in überschaubarer Bescheidenheit die in goldenen Lettern auf dem Giebel des Meininger Theaters verewigte Huldigung an Herzog Georg II. zitiert, der den Musentempel vor gut 200 Jahren gegründet hatte)...
Wie zahllose Musiker seiner Generation gehört Anton Schweitzer (1735-1787) zu den Komponisten, die zwar das Generalbass-Zeitalter hinter sich ließen, aber das rettende Ufer der Klassik nicht mehr erreichten und im Niemandsland der Musikgeschichte verschwanden. Der gebürtige Coburger wirkte im engen heimischen Thüringer Umfeld als Kapellmeister an den Höfen von...
