Tagebuch der Andersdenkenden
Das Diaghilev-Festival in Perm, 2003 gegründet und seit 2011 von Teodor Currentzis geleitet, wurde in diesem Jahr mit der «Matthäus-Passion» von Johann Sebastian Bach eröffnet. Im frisch renovierten Großen Saal der Philharmonie Perm zeigten das Orchester und der Chor musicAeterna, der Kinderchor «Vesna» und starke Solisten unter Currentzis, wie sich ein ganz eigener Zugang zu einem musikalischen Text finden lässt, der sich nicht leicht erschließt. Beeindruckend war in diesem Jahr auch die Mischung der Kunstformen.
Oper stand neben Performances und Schauspielaufführungen, Liederabende wechselten mit Instrumentalkonzerten und symphonischen Programmen ab. Es gab Bildungsangebote für Chorsänger, Regisseure und Theaterkünstler sowie einen pulsierenden Festivalklub. Damit wurde offensichtlich, dass dieses Festival stark zur Erhaltung der kreativen Energie in einer (politischen) Situation beiträgt, in der es schwerfällt, noch positive Emotionen zu entwickeln.
Die Bühnenpremieren präsentierten ein höchst abwechslungsreiches Repertoire. Den Auftakt bildete, vom Opernhaus Perm vorbereitet, Strawinskys «The Rake’s Progress». Auffallend war das hohe musikalische Niveau. Dirigent Fedor Lednev ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Alexej Parin
Er war, im November 1924, zur Bestrahlung seines Kehlkopfkrebses nach Brüssel gekommen. Brüssel aber wurde Puccinis Sterbeort, und er hinterließ seine letzte Oper unvollendet, mutmaßlich nicht nur nicht fertig komponiert, sondern stehengeblieben in einer dramaturgischen Sackgasse. Mutmaßlich hätte Puccinis Genie mit dem vorgesehenen außerordentlichen Liebesduett...
Alexander Sergejewitsch Dargomyschski (1813–1869) war einer der wichtigsten russischen Komponisten, eine Art Brückenbauer zwischen den Komponisten des «Mächtigen Häuflein» und Michail Glinka. Als Teenager erhielt er dessen Segen, und dieser «kleine Mann, [...] der mit einer schrillen Sopranstimme sprach» (Glinka), wurde nicht nur zum Autor der schönsten und weithin...
Wenn Frauen Opern über Frauen inszenieren, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sie machen es ganz anders oder sie erfüllen ihren Dienst am Regietheater noch radikaler als ihre männlichen Kollegen. Lydia Steier gehört zu Letzteren. Schlaflose Nächte habe sie seit der Premiere ihrer Inszenierung von Strauss’ «Salome» im Oktober 2022 an der Opéra Bastille verbracht,...
