Sul fiato
In Strauss’ «Capriccio» 2016 am Theater an der Wien überzeugte uns Maria Bengtsson als Gräfin mit ihrem vorbildlich auf dem Atem phrasierten, nicht durch vermeintlich Strauss-typische, sentimentale Verschleifer entstellten Finale. Auch die Figur, die die Regie ihr abverlangte, war ungewöhnlich: mit ihren langen blonden Haaren schien sie weniger Aristokratin als undinenhaftes Naturwesen, keiner gesellschaftlichen Abmachung verpflichtet. Stimmlich war sie indes eher eine Schwester der Sophie.
Ein Eindruck, den man auch beim Anhören ihres neuen Strauss-Albums erhält.
Auch hier beginnt sie übrigens mit einem optimistischen Lobpreis der Natur: «Herr Lenz springt heute durch die Stadt in einer blauen Hose ...». Das hat Witz, fast kabarettistischen Touch. Doch die Dramaturgie dieses 23 Lieder umfassenden und manches Schmankerl bietenden Recitals nimmt sich des ganzen Lebens an, von der Wiege («Meinem Kinde») bis zur Bahre («Sie trugen ihn auf der Bahre bloss», «Ruhe meine Seele»).
Natürlich profitiert Bengtsson davon, dass Richard Strauss mit einer kapriziösen Sopranistin verheiratet war, die er auch im Liedbereich ins Zentrum theatralischer Aufmerksamkeit rücken wollte – und so zum ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Diese Katze hockt nicht auf dem heißen Blechdach, sie thront auf einem kühlweißen Sofa. Das Raubtier als künftige Königin. Schwarzer Hosenanzug mit deutlichen Seidenanteilen, perfekt an den Körper geschmiegt, darüber die lange, schwarzglänzende Mähne, eine Miene voller Stolz und herrschaftlicher Arroganz sowie blitzende Augen, denen nichts entgeht; an den Füßen...
Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der...
59. Jahrgang, Nr 8
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752314
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.der-theaterverlag.de/opernwelt
Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
Redaktionsbüro
Andrea Kaiser...
