Suggestive Distanz
Eine Frau im Brautkleid, gefangen in Erinnerungen, halb träumend, halb delirierend, tigert durch die große Halle ihres verlassenen, kalten, dunklen Schlosses. Stummfilm-Ästhetik. Waffen und Fahnen an den hohen Mauern, ein Kamin, dessen Größe wetteifert mit der Kälte, die er ausstrahlt. Die Frau ist keine Lucia, auch keine Mélisande, überhaupt alles andere als eine Opernfigur.
Gespielt wird Frank Martins «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke», ein balladenhafter Liederzyklus für tiefe Frauenstimme und Kammerorchester, der im Auftrag des Schweizer Mäzens Paul Sacher entstand und 1945 in Basel uraufgeführt wurde.
Martin hat Rilkes berühmte, in einer Nacht zu Papier gebrachte melancholische Erzählung über den Verlust von Heimat, Liebe und Vertrautheit eines Soldaten in der Fremde explizit einer Frauenstimme zugedacht – und damit die männliche Perspektive gebrochen, Rilkes Text über den historischen Fahnenträger, der in den Türkenkriegen des 17. Jahrhunderts einen sinnlosen Heldentod starb, in die Erinnerungen, Projektionen und Fantasien einer weiblichen Seele, einer Geliebten oder Mutter, transferiert.
Es ist Ute Haferburgs letzte große Produktion als Intendantin ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Reinmar Wagner
Der Nachruhm des Komponisten Nicola Vaccaj (1790-1848) beschränkt sich im Wesentlichen auf seine noch heute gelegentlich verwendete Gesangsschule («Metodo pratico di canto italiano per camera»), doch vergebens sucht man in aktuellen Opernführern nähere Informationen zu einem seiner 17 Bühnenwerke. Das gilt selbst für «Giulietta e Romeo» (Mailand, 1825), ein...
60. Jahrgang, Nr 7
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Rot, rot, immer wieder rot. Warum fällt den Kostümbildnern für starke Frauen immer nur das eine ein? Auch Clémentine Margaine muss im neuen Berliner «Don Quichotte» als Dulcinée natürlich die Hallo-Ich-Bin-Begehrenswert-Signalfarbe tragen. Weil Katrin Wolfermann der schwangeren Sängerin aber ein denkbar spießiges Kleid mit Schleife am Hals verpasst und der...
