Süchtig nach Klängen
Fast hundert Inszenierungen hat er seit 1990 erarbeitet. Von Wien und Salzburg bis Mailand, von Hamburg, Berlin und Paris bis London gehört der gebürtige Frankfurter zu den gefragtesten Regisseuren seiner Generation. Gerade bereitet Claus Guth sein Debüt in Glyndebourne vor: Mozarts «Titus». Mit Unsuk Chin plant er ein neues «Alice»-Stück, mit Michael Jarrell eine «Berenice»-Oper. 2021 steht die erste Regie an der New Yorker Met an. Doch die Zeiten, als der 53-Jährige fünf Produktionen pro Saison stemmte, sind vorbei. Auch weil der Körper streikte.
Was treibt diesen manischen Beobachter menschlicher Beziehungen, der in subtilen Bildern immer wieder den Einbruch des Unberechenbaren in scheinbar wohlgeordnete Bürgerwelten thematisiert?
Herr Guth, Michael Haneke hat einmal gesagt, dass er mit jedem seiner Filme die eigenen Ängste, Obsessionen und Neurosen abarbeite. Letztlich machten das alle Künstler. Kommt Ihnen das bekannt vor?
Ja. Da ist was dran. Aber wenn Haneke mit der Kamera in Abgründe schaut, ist natürlich jedes Bild, jeder Ton, jeder Satz genau kalkuliert. Man spürt, dass er seine Stoffe, seine Geschichten sehr bewusst, sehr reflektiert entwickelt und inszeniert. Mir stoßen ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Interview, Seite 30
von Albrecht Thiemann
Die Entdeckungsreisen, zu denen der Palazzetto Bru Zane in reger Folge einlädt, sind hochwillkommenes Gegengewicht zur Routine des Repertoires. Nun eine Oper von Saint-Saëns aus dem Jahre 1887: «Proserpine» (in der zweiten Fassung von 1899). Das 1838 verfasste experimentelle Drama eines Hugo-Nachahmers hat in der Bearbeitung als Oper freilich viel von seiner...
Wie man heute noch Opern schreibt – darauf gibt Aribert Reimann seit 50 Jahren seine eigene Antwort. Zum postmodernen Musiktheater Hans Werner Henzes hält er die gleiche Distanz wie zu den Konzepten der Avantgarde. Reimann verteidigt eine Position des Personalstils, wie sie im Musiktheater um 1900, bei Debussy, Janáček oder Schönberg, eine kurze Blüte erlebte.
Was...
Theater abseits der Zentren haben nicht gerade leichtes Spiel im Wettbewerb um überregionale Aufmerksamkeit. Nicht nur das schmale Budget erlaubt keine großen Sprünge. Ein oft ländlich geprägter Einzugsbereich fordert eher Grundversorgerqualitäten als konzeptionellen Wagemut.
In einem solchen Winkel – zwischen Wiesbaden, Mainz und Bonn – liegt auch das Koblenzer...
