Suche nach einer verloren geglaubten Zeit
«Darf ich das signieren?» Was für eine Frage. Aber natürlich. Wir bitten sogar darum. Wer weiß, wann wir Margarita Marinova noch mal treffen. In ihrem «Archiv», einem winzigen, über und über mit Aufführungsplakaten dekorierten Raum im zweiten Stockwerk des Plattenbaus gleich hinter der Oper. Einem unwirtlichen Kasten mit blinden Fenstern, verzogenen Türen und bröckelndem Beton. Im Winter ist es hier drinnen so kalt, dass man die dicke Jacke anbehalten muss. Wenn der Wind eisig durch die Ritzen pfeift.
Wenn wieder einmal die alte Heizung ausfällt, weil sie schlapp macht oder weil kein Geld mehr da war, um die letzte Rechnung zu bezahlen. Geprobt, geschneidert, geschweißt, geschraubt und gemalt wird trotzdem das ganze Jahr. Und Margarita Marinova ist auch jeden Tag hier. Irgendwie muss der Betrieb ja weitergehen – im Haus ihres Lebens, der Narodna Opera Russe.
Schon hat sie aus dem Wust auf dem kleinen Schreibtisch einen Kugelschreiber gefischt, füllt die blassroten Vorsatzseiten einer Broschüre zum 40-jährigen Bestehen «ihrer» Oper mit einer Widmung in kyrillischen Lettern. Und erzählt ohne Punkt und Komma. Von den Anfängen 1949. Von dem Tagebuch, das sie seit Jahrzehnten über jede ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Albrecht Thiemann
Als Pionier des musikalischen Exotismus war Félicien-César David (1810-1876) bis vor Kurzem nicht mehr als eine Fußnote der Musikgeschichte. Das ändert sich langsam, denn durch die Initiative des Palazzetto Bru Zane werden seine Werke jetzt erneut zur Diskussion gestellt. Nach «Herculanum» und «Lalla Roukh» (siehe OW 2/2015) ist jetzt die sinfonische Ode «Le...
Herr Shicoff, Sie galten als idealer Sänger für gebrochene, auch intellektuelle Charaktere. Hat Ihnen das gefallen?
Dem habe ich nie getraut. Ich wollte nie bewusst den Eindruck erwecken, ein intellektueller Sänger zu sein. Emotionale Sänger schätze ich eigentlich weit höher. Ich glaube, wann immer ich Erfolg hatte, geschah das, weil ich emotional mit meinen Rollen...
Am Ende wurde gespart. Leider. Denn ein Buch wie dieses verdient ein Register. Man möchte gern nochmals nachschlagen, will vergleichen. Doch das funktioniert nur, wenn man beim Lesen selbst einen Zettel mit Stichworten füllt. Dabei ist dieses Buch so reich an Thesen und Beobachtungen, an streitbaren und unzweideutigen. Einige Beispiele: «Es wird viel zu häufig von...
