Mit wachem Geist
Am Ende wurde gespart. Leider. Denn ein Buch wie dieses verdient ein Register. Man möchte gern nochmals nachschlagen, will vergleichen. Doch das funktioniert nur, wenn man beim Lesen selbst einen Zettel mit Stichworten füllt. Dabei ist dieses Buch so reich an Thesen und Beobachtungen, an streitbaren und unzweideutigen. Einige Beispiele: «Es wird viel zu häufig von der Stimme statt vom Singen gesprochen», sagt Christian Gerhaher etwa, oder: «Ein wichtiger Schutz für junge Sänger ist in meinen Augen, nicht zu früh mit der Oper zu beginnen.
Das hat nichts mit der Lautstärke oder dem dramatischen Fach zu tun.» Oft schränkt Gerhaher seine Thesen ein mit «ich finde» oder «nach meiner Beobachtung». Der Sänger erhebt nie den Anspruch auf absolute, allgemeingültige Wahrheiten, zumal er die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse gern mit bescheidenem Understatement paart. Als Leser möchte man ihm am liebsten in jedem Absatz entweder energisch zustimmen, seine Gedanken weiterspinnen, weil er sie so spannend und anschaulich formuliert, oder aber, in Einzelfällen, auch widersprechen – etwa wenn er die «Deutschen Volkslieder» von Johannes Brahms abkanzelt. Brahms zählt ohnehin nicht zu den ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Christoph Vratz
Herr Brownlee, im vergangenen Jahr haben Sie sich in Seattle den Don Ottavio vorgenommen, gerade in der Münchner «Così fan tutte» den Ferrando – ein Rossini-Tenor auf dem Weg zu neuen Ufern?
Das kann man nicht ganz so sagen. Ich kehre zurück zu Mozart. Den Ferrando habe ich schon während meines Studiums gesungen. Okay, das ist 20 Jahre her ... Meine ersten beiden...
Bergen ist nicht Sevilla. Ein attraktiver Opernort will die zweitgrößte Stadt Norwegens aber sein – erst recht, seit die ehrgeizige schottische Intendantin Mary Miller vor gut vier Jahren die Geschicke der erst 2005 gegründeten Bergen National Opera übernommen hat. Auch wenn sie dabei besonders auf Stücke setzt, die im Norden bisher wenig gespielt wurden, darf ein...
Eigentlich muss man Andris Nelsons sehen. Wie er sich hinter Partitur und Dirigentenpult duckt, als wolle er von den Klangwellen, die er eben entfesselte, nicht weggespült werden. Und wie er dann als Springteufel wieder hochkommt. In dieser CD-Einspielung von Wagners «Fliegendem Holländer» aus Amsterdam sieht man ihn nicht, doch man spürt Nelsons Körpersprache in...
