Stupende Reinheit, anrührende Zartheit, natürlicher Duktus
Claude Debussys musiktheatralisches Meisterwerk hatte in Russland einen schweren Stand. Dreizehn Jahre nach der Pariser Uraufführung 1902 ereilte «Pelléas et Mélisande» am Petrograder Theater ein kurzes, unglückliches Bühnenschicksal – in Gestalt einer Produktion, die nur einen Torso des Originals und den obendrein in russischer Sprache präsentierte. Erst jetzt, einhundertfünf Jahre nach seiner Entstehung, war die vollständige Fassung erstmals im Moskauer Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko zu erleben.
Und ohne französische Initiative, sprich: die Unterstützung des französischen Kulturministeriums und der französischen Botschaft in Moskau, wäre wohl auch diese Premiere von «Pelléas et Mélisande» nicht zustande gekommen.
Um es vorweg zu sagen: An russischen Maßstäben gemessen, kam die Aufführung einer Sensation gleich. Vor allem aus musikalischen Gründen. Lange hatte man sich in Moskau nach großen Operndirigenten gesehnt, jetzt war endlich einer zu erleben: Debussys komplexe Partitur erreichte unter der Leitung von Marc Minkowski eine interpretatorische Homogenität, Geschlossenheit und Inspiration, die staunen machte. Das Orchester des Stanislawski-Theaters ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Elf Jahre hat Intendant Jean-Louis Grinda erfolgreich am Ruf der Oper Lüttich als gediegenes, musikalische Akzente setzendes Haus gearbeitet. Nun wechselt er nach Monte Carlo. Szenisch gilt die «Opéra Royal de Wallonie» als wenig innovativ – Reiseunternehmen im Umkreis werben bisweilen offen damit, dass man in Lüttich Oper noch «wie früher» erleben könne.
In der...
Köln, 18. Mai 1957. Eröffnungsfestakt am Offenbachplatz für das neue Opernhaus. Otto Ackermann, Kölns damaliger GMD, dirigiert Beethovens dritte Leonoren-Overtüre, bevor – nach einigen Reden – Webers «Oberon» aufgeführt wird, mit der kurzfristig eingesprungenen Leonie Rysanek als Rezia.
Die Jahre des provisorischen Spielorts in der Aula der alten Universität waren...
Aha, denkt der MTV-versierte Zuseher sich zu Beginn: «Alles im Arsch». An den Videoclip zu diesem Song von Jan Delay und Udo Lindenberg erinnert, was sich da beim «Trovatore» auf der neuen Bühne des Slowakischen Nationaltheaters tut: Mafiosi konspirieren in einer Tiefgarage, und ihr Anführer (Schlapphut, Sonnenbrille, lange Haare) scheint Udo, dem Paten aller...
