Strom der Empfindungen
Man hört es und fühlt sich sogleich erinnert. Dieser Seufzer! Unzählige Male wurde er in die Welt entsendet, so häufig und so verzweifelt, dass man irgendwann gar nicht anders konnte, als still und leise mitzuseufzen. Auf welchen Wegen aber gelangte dieses Sekundmotiv in ein Stück, das nicht «Pique Dame» heißt und aus der Feder Peter Iljitsch Tschaikowskys stammt? Ganz einfach: Es fiel einem Eklektiker in die Hände, präziser: dem 1956 geborenen schwedischen Komponisten Rolf Martinsson. Macht aber nichts. Klingt trotzdem schön. Immer wieder.
Und passt ja auch zum Sujet.
Denn in diesem Garten der Hingabe geht es ähnlich trist und trübe zu wie in Hermanns, des Spielers, Seele. Mit dem feinen Unterschied, dass in Martinssons Lied-Zyklus «The Garden of Devotion» auf Gedichte von Rabindranath Tagore die Geschichte einer unerwiderten Liebe einem Sopran und einem Streichorchester überantwortet ist. Lisa Larsson, Landsfrau von Martinsson, erfüllt die Vorgaben der Partitur in idealer Weise. Ihr glockenhell timbrierter Sopran leuchtet in lyrischer Intensität und übertönt selbst in melismatischen Momenten locker den süffigen Streichersatz. Die Nähe zur filmmusikalischen Untermalung ist ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 50
von Jürgen Otten
Großer Bahnhof für Wolfgang Wagner, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre. Einen «fränkischen Sokrates» hatte ihn einst Walter Jens genannt. Fast 60 Jahre leitete er die Bayreuther Festspiele (davon 15 mit seinem Bruder Wieland). Nun wurde er nicht nur in Haus Wahnfried mit einer Ausstellung geehrt, von der vor allem viele bislang unveröffentlichte Fotos...
Wo kühn Kräfte sich regen ... Vor 377 Millionen Jahren rast ein Meteorit mit 100 000 Stundenkilometern auf die Erde zu, schlägt im weiland noch auf der Südhalbkugel der Erde gelegenen heutigen Mittelschweden ein. Vier Kilometer Durchmesser hatte der Himmelsriese, der Krater, den er hinterlässt, umfasst derer 50. Siljansringen nennen die Schweden diese gigantische...
Es gibt Opernaufführungen, bei denen alles stimmt: rollengerechte Besetzung (vokal, physiognomisch), die musikalische Einstudierung und Leitung, ein treffendes Bühnenbild sowie eine Regie, die das Werk in seiner Essenz aufschließt. So gelingt es, dass eine Inszenierung zum Retter einer problematischen Oper wie «Das Wunder der Heliane» von Erich Wolfgang Korngold...
