Strom der Empfindungen
Man hört es und fühlt sich sogleich erinnert. Dieser Seufzer! Unzählige Male wurde er in die Welt entsendet, so häufig und so verzweifelt, dass man irgendwann gar nicht anders konnte, als still und leise mitzuseufzen. Auf welchen Wegen aber gelangte dieses Sekundmotiv in ein Stück, das nicht «Pique Dame» heißt und aus der Feder Peter Iljitsch Tschaikowskys stammt? Ganz einfach: Es fiel einem Eklektiker in die Hände, präziser: dem 1956 geborenen schwedischen Komponisten Rolf Martinsson. Macht aber nichts. Klingt trotzdem schön. Immer wieder.
Und passt ja auch zum Sujet.
Denn in diesem Garten der Hingabe geht es ähnlich trist und trübe zu wie in Hermanns, des Spielers, Seele. Mit dem feinen Unterschied, dass in Martinssons Lied-Zyklus «The Garden of Devotion» auf Gedichte von Rabindranath Tagore die Geschichte einer unerwiderten Liebe einem Sopran und einem Streichorchester überantwortet ist. Lisa Larsson, Landsfrau von Martinsson, erfüllt die Vorgaben der Partitur in idealer Weise. Ihr glockenhell timbrierter Sopran leuchtet in lyrischer Intensität und übertönt selbst in melismatischen Momenten locker den süffigen Streichersatz. Die Nähe zur filmmusikalischen Untermalung ist ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 50
von Jürgen Otten
Der Bach-Biograf Philipp Spitta verglich Spontinis «Olimpie» mit Wagners «Ring». Und das erscheint als nicht zu hoch gegriffen, denn der Komponist treibt in diesem so monströsen wie düsteren Werk, seiner letzten französischen Tragédie-lyrique, den Monumentalstil des Klassizismus zu einer dramatischen Ausdrucksintensität, die weit in die Zukunft weist – die...
Aus Anlass des 100. Geburtstags von Wieland Wagner fand 2017 im Rahmen der Bayreuther Festspiele ein Symposion statt, das Person, Werk und Wirkung des Wagner-Enkels sowie den wesentlich von ihm mitgeprägten Mythos «Neu-Bayreuth» neu und kritisch beleuchten konnte, weil seit 2016 sein persönlicher Nachlass sowie die Dokumente zu seinen Bayreuther Inszenierungen für...
Mit interdisziplinären Projekten des Musiktheaters hat Berthold Schneider, seit 2016 Intendant der Wuppertaler Oper, jede Menge Erfahrung. Schon am Anfang seines Weges durch diverse Häuser (Hamburg, Mannheim, Saarbrücken, London/ ENO, Darmstadt u. a.) experimentierte er mit neuen Formaten. In der ehemaligen Staatsbank am Berliner Gendarmenmarkt etwa inszenierte er...
