Strahlende Einfälle

John Adams holt J. Robert Oppenheimer auf die Opernbühne. Zur Uraufführung von «Dr. Atomic» in San Francisco

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Endlich einmal dürfen die Musikkritiker ihren Arbeitsauftrag als Geigerzähler beim Wort nehmen, denn in dieser Opernnovität geht es – vordergründig? – um Atomstrahlung und andere Verheerungen. Wenn John Adams in Sachen J. Robert Oppenheimer zum Komponiergriffel greift (oder zum Computer-Keyboard), dann schlagen diesmal Physikerherzen höher, denn hier kommt zum Quartensprung der Quantensprung und zum Dreiklang der Dreisatz. Beherrscht sonst eher die Metaphysik die Opernbühne, so sind diesmal die Ingenieure des Weltenbaus die Helden. Im Opernhaus von San Francisco erweist sich «Dr.

Atomic» (alias J. Robert Oppenheimer) zwar als erfolgsorientierter Technokrat, der vor allem seinen Auftrag erfüllen und alle Verantwortung den Entscheidungsträgern in der Politik überlassen will.
Doch so ganz zum technologischen Erfüllungsgehilfen mag Peter Sellars, der Mitinitiator, Librettist und Uraufführungsregisseur dieser Oper, den Titelhelden dann doch nicht machen. Also schreibt er Oppenheimer in seinem Libretto, das er aus denkbar heterogenen Quellen zusammen­gefügt hat, einen großen Monolog, in dem der Physiker mit Zitaten aus dem «Holy Sonnet XIV» des Dichters John Donne in d-moll mit sich und ...

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Opernwelt Jahrbuch 2006
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 46
von Rainer Wagner

Vergriffen
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