«Ich bin nun mal kein Festspielmensch»

Freigeist, Kommunikator, Marketing-­Genie: Während seiner Intendanz zwischen 1993 und 2006 hat Peter Jonas der Bayerischen Staatsoper ein neues ­Gesicht gegeben. Aus Deutschlands edelstem Sangestempel machte er ein Haus, das allen offen stehen sollte. Mit viel Emotion, analytischem Scharfsinn, politischem Geschick und Sinn für ­populäre Vermittlungsformen. Die von Sir Peter aufgelegte Serie knallbunter ­Barock-Shows hat die Hochkonjunktur des vorklassischen Musiktheaters gewiss nicht losgetreten, ihr aber markante Impulse ­verliehen. Sie wird wohl als das wichtigste künstlerische Markenzeichen seiner Ära in Erinnerung bleiben. Im Gespräch zieht ­Peter Jonas die Bilanz eines Lebens mit und in der Oper, in einem bislang unveröffentlichten Originalbeitrag hält er ein Plädoyer für die Werte des deutschen Kulturstaates. Ferner auf den folgenden Seiten: eine ­kritische Würdigung von dreizehn ­wechselvollen Spielzeiten unter «Jonas in München».

Lassen Sie uns mit einer persönlichen Frage beginnen: Sie sind dreizehn Spielzeiten lang Chef der Bayerischen Staatsoper in München gewesen, Sie sind von Queen Elizabeth II. zum Knight of the British Empire geschlagen worden. Welche Anrede gefällt Ihnen am bes­ten? Herr Staats­intendant? Sir? Mister Jonas?
Das mit dem Staatsintendanten habe ich sofort nach meinem Antritt in München abgeschafft. Es gab da zwar einen Beamten, der sich partout nicht an diese Verabredung gewöhnen wollte, aber sonst war das eigentlich schnell Common Sense.

Hin und wieder zauberten Politiker den Titel wieder aus dem Hut. Wenn einer dieser Herren mich als «Staatsintendant» ansprach, dann wusste ich gleich, dass irgendetwas im Busch war. Meist nichts Gutes. Also, wenn schon eine formelle Anrede, dann bitte the British Way: Sir Peter. Meine Mitarbeiter haben mich einfach Peter oder «PJ» genannt. Übrigens bin ich in Deutschland immer wieder Leuten begegnet, die es ganz besonders richtig machen wollten und mich mit «Sir Jonas» anredeten. Das ist natürlich völlig daneben, eine tiefe Beleidigung für jeden Englishman (lacht).

Ihr Vater war Jurist...

Nein, das stimmt nicht. Das war mein Groß­vater in Hamburg. Mein ...

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Opernwelt Jahrbuch 2006
Rubrik: Jonas in München, Seite 88
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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