Klingendes Spiel

Er war der große Unangepasste in der Musik des 20. Jahrhunderts: György ­Ligeti (1923-2006). In einer persönlichen Reverenz erläutert der ungarische Dirigent Zoltán Peskó, welche musika­lischen und dramatischen Ressourcen in Ligetis Anti-Antioper «Le Grand Macabre» einge­flossen sind. Gleichsam aus der Pult-Perspektive beschreibt er, wie Ligeti gegen die Herrschaft der «Ismen» (etwa die Ästhetik der seriellen Schule) eine spielerische, nicht zuletzt von der Pop-Art und vom Absurden Theater geprägte Kompositionstechnik ins Feld führte. Zoltán Peskó gehört zu den intimen Kennern des «Grand Macabre»: Er leitete unter anderem die italienische Erst­aufführung 1982 in Bologna.

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Jeder Komponist wandelt sich während seines Schaffensweges. Trotzdem sind die für das Lebenswerk György Ligetis charakteristischen Änderungen sehr überraschend. Im 20. Jahrhundert kann man sie, wenn überhaupt, nur mit Igor Strawinskys kompositorischer Vielseitigkeit vergleichen. Ligeti geht noch über Strawinsky hinaus: Bei einigen Werken glauben wir ­einen anderen, neuen Komponisten zu treffen. Da ist einerseits die mächtige, unablässige schöpferische Produktivität eines Künstlers, mehr als fünfzig Jahre anhaltend und reich an Meisterwerken.

Andererseits spürt man eine kontinuierliche Wandlung, manchmal nur ­einen Hauch, aber nicht selten eine beträchtliche Metamorphose, die Ligetis Werken immer neue Frische schenkt.
So sehr das Ergebnis seiner Arbeit originell und innovativ war: Bei der Entstehung einiger Werke reagierte Ligeti auf die Musik anderer Künstler. Gegenstand der Inspiration konnte ein Madrigal der Renaissance sein  oder mittelalterliche Kirchenmusik, die Kultur klassisch-romantischer Kammermusik oder Konzerte, europäische oder entlegene Volksmusik. Vor allem jedoch gingen Ligetis schöpferischer Tätigkeit ästhetische Überlegungen voraus, die auf die Veränderungen in der ...

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Opernwelt Jahrbuch 2006
Rubrik: György Ligeti, Seite 66
von Zoltán Peskó

Vergriffen
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