Rachel Harnisch als Rachel in Halévys «La Juive» während der Proben an der Opéra de Lyon (2016); Foto: Nikolai Schukoff
Stille Größe
Frau Harnisch, Sie haben zwei kleine Kinder, Familie und sind viel auf Reisen – wie bekommen Sie das unter einen Hut?
Die Begegnung mit meinem Mann, der nichts mit Musik zu tun hat, und die Geburt meiner Kinder waren das Beste, was mir passieren konnte. Erst seit ich Mutter bin, habe ich wirklich verstanden, was das Singen für mich bedeutet. Der Familienalltag hat mich geerdet, mir die nötige innere Distanz zur Sängerin und Künstlerin geschenkt, die ich brauche, um wirklich das ausdrücken zu können, was ich kann.
Vielleicht klingt es ein bisschen paradox: Durch die Kinder bin ich ruhiger, gelassener geworden. Vorher kam mir das Leben wie ein haltloses Treiben, ein ständiges Suchen vor. Ich hatte immer große Zweifel an dem, was ich tat. Wenn ich zu Proben ging, musste ich die Sängerin in mir von weit herholen. Ein bisschen ist das bis heute so geblieben.
Die Mutterrolle hat alle Zweifel zerstreut?
Das natürlich nicht. Aber sie ist ein gesundes Gegengewicht, um in dem ja nicht selten etwas überspannten Konzert- und vor allem Opernzirkus besser zu bestehen. In der Musikwelt ist es heute ja nicht mehr so, dass gute Sängerinnen und Sänger automatisch hofiert werden. Einen Kult um Stimmen ...
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