Starke Näherin
Ricky Ian Gordon, Jahrgang 1956, ist ein produktiver Komponist, der sowohl Kunst- als auch Kabarettlieder schreibt und mit ambitionierten, abwechslungsreichen Theaterprojekten, die das ganze Spektrum von der Komödie bis zur ernsten Oper abdecken, auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Sujets für seine Projekte gehen auf Marcel Proust, John Steinbeck, psychiatrische Gutachten und auch einmal auf die Rezeption biografischer Quellen um Autorin Gertrude Stein zurück.
Entsprechend vielfältig sind die ästhetischen Ergebnisse: Einige Songs von Gordon sind meisterhaft gearbeitet, doch reicht die qualitative Bandbreite seiner Bühnenwerke von scharf beobachtet und bewegend bis zu übermöbliertem neoromantischen Dunst.
Zuletzt waren in New York gleich zwei Gordon-Opern zu erleben. Die eine («Intimate Apparel») war bezüglich möglicher Folgevorstellungen nach 2020 der Pandemie zum Opfer gefallen; die andere – «The Garden of the Finzi-Continis» auf den gleichnamigen, halbbiografischen Roman Giorgio Bassanis, der 1970 von Regisseur Vittorio De Sica prominent verfilmt wurde – entpuppte sich mehr oder weniger als neu aufgekocht Altbackenes. «Intimite Apparel» knöpft sich als Libretto ein ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 38
von David Shengold
In einem Essay aus dem Jahr 1978 mit dem Titel «Ins eigene Fleisch» entwirft Wolfgang Rihm das idealische Wesen und Sein seiner ästhetischen Existenz. Und er tut dies mit einer Selbstverständlichkeit, die das Übermäßig-Unbotmäßige seines Komponierens schon zu diesem relativ frühen Zeitpunkt evoziert: «Ich habe die Vorstellung eines großen Musikblocks, der in mir...
Sant’ Andrea della Valle, Palazzo Farnese, Engelsburg: Wer könnte diese ikonografischen Orte nicht sofort vor seinem inneren Auge abrufen, wenn er von «Tosca» hört? Und wie sollte, im Rom um 1800, die Handlung anders ablaufen als von Puccini und seinen Librettisten notiert? Aber ist «Tosca» ein derart «veristisches» Werk, dass es der Originalschauplätze überhaupt...
Opernkritiker zu sein, das bedeutet manches Mal, mit dem eigenen Zynismus klarkommen zu müssen; mindestens aber mit dem Zynismus, der irgendwie in der Luft liegt, wohnt man einer Premiere an einem «großen» Hause bei. Diese Mischung aus Voreingenommenheit, Müdigkeit und vorauseilender Schadenfreude – wir kennen sie alle. Seien wir ehrlich.
Dieser Zynismus ist an so...
