Starke Musik, schwaches Libretto

Ersteinspielung: Siegfried Wagners Oper «Rainulf und Adelasia» bei cpo

Opernwelt - Logo

Ahnenforscher finden bei den Wagners meist fruchtbaren Boden, nicht nur in der realen Familie. So begegnen wir in Siegfried Wagners «Rainulf und Adelasia» beispielsweise dem Ur-Enkel von Meyerbeers «Ro­bert le Diable».
Die historischen Figuren um Rainulf, Ade­lasia und Sigilgaita entdeckte Siegfried Wagner in Graf von Schacks Abhandlung «Die Geschichte der Normannen in Sizilien». Die Oper nimmt vereinzelt auch Bezug auf das Leben der Wagners, darunter auf Cosimas Falschaussage über ihre Tochter Isolde. Peter P.

Pachl macht in seinem fundierten Booklet-Text hier den eigentlichen, autobiografischen Anlass der Komposition aus.
Hätten wir nur das von Siegfried selbst stammende Libretto, man geriete umgehend in Versuchung, es dem Altpapier zu übereignen. Die Handlung um den Machtkampf zweier Brüder – angesiedelt im Jahr 1194 in Reggio Calabria – ist reichlich verquast. Wilde Versmaße und gedrechselte Reime sowie einige unbeholfen übernommene Bruchstücke aus den Texten des Vaters stellen zusätzlich unser Durchhaltevermögen auf die Probe.
Doch glücklicherweise ist das Ganze in Musik gesetzt. Und da liegen die Stärken des Werks, dessen Partitur im August 1922 abgeschlossen wurde: eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: CDs, Seite 62
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Umbruch

Ein Opernland im Umbruch. In Belgien werden in der kommenden Saison alle Musiktheater einen neuen Intendanten oder Künstlerischen Leiter bekommen. Peter de Caluwe, bis jetzt Chef des Künstlerischen Betriebsbüros an der Nederlandse Opera in Amsterdam, wechselt zur Saison 2007/08 an die Brüsseler Monnaie. Er ist Nachfolger von Bernard Foccroulle, der das Festival von...

Einer flog übers Kuckucksnest

Ist es Zufall, Schicksal, gar Fügung? Jedenfalls ist da schon wieder einer mit diesem Vornamen: Sebastian. Kein Heiliger, gewiss nicht, aber das sind auch die beiden anderen Schauspiel-Regisseure nicht, die dabei sind, das Musiktheater zu revolutionieren, Sebastian Baumgarten und Sebastian Nübling. Und fast scheint es, als ob die Gattung Oper, soeben vierhundert...

Eine Frage der Perspektive

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich von dem prächtigen und skurrilen Opern­vogel in Valencia ein Bild zu machen. Eine Möglichkeit ist Ebene Minus Zwei. Das ist die Ebene des ehemaligen Fluss­bettes, in das Santiago Calatravas «Palau de les Arts» eingepasst ist. Sie liegt unterhalb des Straßenniveaus und wird von künstlichen Seen bestimmt, die die Bauten der...