Starke Frauen
Ganz auf sich zurückgeworfen sind die 16 Nonnen in «Dialogues des Carmélites». In ihrer Lebensweise, in der Entscheidung gegen die (Außen-)Welt, auch in der Wahl des Märtyrertums. Am Tiroler Landestheater wird das erst recht augenfällig, wo die Oper in fast provozierender Kargheit gespielt wird, die Charaktere und Schicksale überdeutlich hervortreten lässt. Fast keine Requisiten, wenige Hintergrundprospekte, auf denen in flüchtiger Schraffur die Schauplätze angedeutet sind (Ausstattung: Claudia Spielmann-Hoppe) – mehr ist nicht notwendig.
Marina Wandruszka, im «Hauptberuf» Ensemblemitglied des Thalia Theaters und seit 1988 auch Regisseurin, weicht den Fallen des Stücks klug aus. Keine Genre-Bilder aus dem Klosterleben, keine Bigotterie, aber auch keine Weinerlichkeit, keine stereotypen «starken Frauen»: Zu erleben sind in dieser so präzisen wie bescheidenen und hochmusikalischen Inszenierung Menschen, die sich alle auf ihre Weise mit dem Rückzug ins Kloster abfinden – oder eben nicht. Die eine, indem sie mit unreflektierter Gläubigkeit begeistert über die Schwestern hinwegblickt und -singt, die andere, indem sie eine Statue des Jesuskindes wie ein eigenes Baby hätschelt. Viel ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Markus Thiel
Wagner-Opern als Freilichtaufführungen sind selten, denn die Musik verliert dabei fast immer. Wo elektronisch verstärkt und übertragen wird, gehen nicht nur Unmengen an Feinheiten flöten, sondern auch das räumliche Hören. Umgekehrt werden Fehler und Schwächen gnadenlos offengelegt. Trotzdem war «Rienzi» beim Meininger Theatersommer schon deshalb ein Erlebnis, weil...
Ein «Ring» für die Pariser Oper war mit Blick auf das Wagner-Jubiläum dringender Wunsch des neuen Intendanten Nicolas Joël. Der letzte am Haus war 1976 von den alternierenden Regisseuren Peter Stein und Klaus Michael Grüber nach den ersten beiden Abenden abgebrochen worden. Am Châtelet folgten der «Ring» von Pierre Strosser, später die Übernahme des Zürcher...
Zum Abschluss der an entdeckerischem Wagemut wahrlich nicht armen Saison wartete die Oper Frankfurt mit zwei weiteren Premieren abseits des üblichen Repertoires auf. Beide Stücke, Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Aulis Sallinens «Kullervo», spielen in mythischer Vorzeit, also heute. Beide Male, in der 1693 uraufgeführten Barockoper wie in der fast genau...
