Star-Zirkus
Muss man eine Oper, die unter armen, frierenden Künstlern in einer intimen Großstadt-Mansarde spielt, bei 28 Grad Außentemperatur in einem Amphitheater vor einer monumentalen antiken Mauer und einer Kulisse von 8000 Menschen aufführen?
Man muss wohl, wenn man sein Programm nicht nach Aspekten künstlerischer Sinnhaftigkeit zusammenstellt, sondern nach der Liste der zuschauerträchtigsten Opernwerke. Da gehört Puccinis «Bohème» nun mal zu den Top 3, deshalb darf sie bei den auf Popularität bedachten «Chorégies» in Orange nicht fehlen.
Regisseurin Nadine Duffaut geht dem Kontrast zwischen der frostigen Bühnenhandlung und dem kollektiven Luftzufächeln im römischen Rund aus dem Weg, indem sie aus dem Elend der Bohème eine fröhliche Künstler-WG nach dem Motto «arm, aber sexy» macht: Man ahnt, dass irgendwo in den angedeuteten Straßenschluchten von Paris ein wohlhabendes Elternhaus wartet, falls diese WG-Bewohner ihr Künstler-Abenteuer irgendwann satt haben.
Rodolfo ist mehr in sich selbst verliebt als in Mimi, die folgerichtig zum tragischen Ende einfach stumm im Erdboden verschwindet – sie bleibt letztlich nur eine schmerzhafte Episode im Erwachsenwerden des jungen Schriftstellers. Das ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Dieter Lintz
I
Eine halbe Stunde noch. Im Vorhof des barocken Hôtel Maynier d’Oppéde stehen schon an die fünfzig Neugierige Schlange. Sicher ist sicher: Die Plätze sind schnell weg in den öffentlichen Meisterklassen der Académie européenne de musique, die das Festival in Aix seit 1998 veranstaltet. Man scherzt, winkt sich zu, plaudert entspannt über die Hitze, die Familie, das...
In den meisten Bühnenwerken Massenets geht es um Sinnlichkeit, Erotik, Begierde und außerehelichen Sex in allen nur erdenklichen Spielformen – und ausgerechnet zum Centenaire sind zwei DVD-Mitschnitte seiner «keuschesten» Opern herausgekommen: «Cendrillon» und «Don Quichotte» (siehe OW 06/2012), die sehr liebliche Aschenputtel-Version von 1899 und das traurige Ende...
ARTE
2.9. – 15.50 Uhr/3.9. – 10.55 Uhr
Open Opera – Die Premiere.
Film von Herbert Bayer über «Carmen» bei den Seefestspielen Berlin.
2.9. – 17.20 Uhr
Lucerne Festival 2012 – Eröffnungskonzert.
Lucerne Festival Orchestra, Schwedischer Rundfunkchor, Chor des Bayerischen Rundfunks, Claudio Abbado. Solisten: Juliane Banse, Anna Prohaska, Sara Mingardo, Maximilian Schmitt...
