Schroffe Gegensätze, zerklüftete Linien

Bad Wildbad | Rossini Festival | Mercadante: I briganti Rossini: Adina

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Die Musikgeschichte steckt voller Überraschungen. Das liegt nicht nur daran, dass es weit mehr herausragende Kompositionen gibt, als sie noch das größte enzyklopädische Wissen erfassen kann: Vielmehr haben ganze Entwicklungen keinen Platz in den zwangsläufig vereinfachenden Ordnungen gefunden.

Saverio Mercadante, der aus Apulien stammende Generationsgenosse Donizettis, gehört zu denen, die durch die Raster der Geschichtsschreibung gefallen sind.

Zwar wissen Spezialisten, dass er 1837 mit «Il giuramento» eine Art «Reform» begann, die dann zum klassizistisch geprägten Spätwerk führte. Aber seine einzige Pariser Oper – «I briganti» nach Schillers Skandaldrama «Die Räuber» – hat seit einer letzten Aufführung 1886 niemand mehr genauer unter die Lupe genommen, und es bedurfte dieser ersten Wiederaufführung, um zu zeigen, was 1836 in einer italienischen Oper musikalisch alles möglich war.

In diesem Werk erweist sich Mercadante als missing link zwischen Bellini und dem frühen Verdi. Wie Bellini ein Jahr zuvor in «I puritani» schreibt er fioriture, um extreme Leidenschaften abzubilden, übrigens für dieselben Ausnahmesänger. Im Mittelpunkt steht der von allen verlassene Ermano, dessen Rolle an ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Anselm Gerhard

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