Spielarten des Grotesken
Für ihre komische Oper «Esame di mezzanotte» entwarf Lucia Ronchetti eine mit Zitaten von Janequin bis Verdi gespickte, dramatisch wirkmächtige Partitur voll musikalischen Humors: Die auf Ermanno Cavazzonis Roman «Mitternachtsabitur» beruhende Groteske, in Auftrag gegeben vom Nationaltheater Mannheim, ist «Uraufführung des Jahres». Auch Beat Furrer schaut mit seinem neuen Stück nach Italien: «la bianca notte», komponiert für die Hamburgische Staatsoper, ist eine Meditation über den Dichter Dino Campana.
Pascal Dusapin erfüllte sich, von Brüssels Intendant Peter de Caluwe ermutigt, einen lang gehegten Traum: Kleists «Penthesilea» zu vertonen. Tableaus in schwerblütig-dunklen, spröden Farben. Drei Porträts
Schon Cicero wusste, dass gleich und gleich sich gern gesellt. Doch was auf den ersten Blick sich gleich geriert, passt nicht immer wirklich zusammen. Bei näherer Betrachtung kann sich der erste Eindruck sogar ins Gegenteil verkehren. Etwa wenn man sich mit den Komponistinnen Lucia Ronchetti und Unsuk Chin beschäftigt. Genauer: mit zwei Bühnenwerken, die auf eine innere Verwandtschaft zwischen ihnen zu deuten scheinen – «Esame di mezzanotte» und «Alice in Wonderland». Als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 42
von Marco Frei
Wolfgang Rihms «Jakob Lenz» – Andrea Breth hat das Stück in Stuttgart als zeitloses Schreckensbild einer sinnentleerten Moderne inszeniert, als Chiffre unserer Menscheinsamkeit, Gottverlassenheit. Sie bestand darauf, die Kammeroper auf der großen Bühne zu zeigen. Und führte die Sturm-und-Drang-Figur als Inbegriff des geschundenen Menschen vor. Sein Körper: ein...
In diesem Jahr feiern gleich drei bedeutende Komponisten aus dem Ostseeraum einen runden Geburtstag: Jean Sibelius, Carl Nielsen und Alexander Glasunow. Dass ihnen alles Theatralische fremd gewesen wäre, kann man nicht behaupten. Doch für die Opernbühne interessierten sie sich, wenn überhaupt, nur am Rande. Der ganze Stil sei «banal», urteilte Sibelius. Ein...
Die Messestadt. Die Bankenstadt. Aber ist Frankfurt auch Opernstadt? Da zögert man, schiebt den Vergleich mit musiktheatralischen Hochburgen wie Wien, München oder Dresden doch lieber beiseite. Natürlich ist Oper in den ehemaligen großen Hoftheatern immer verankert gewesen. Beste Tradition. Hamburg (mit dem ältesten bürgerlichen Opernhaus Deutschlands) und Leipzig...
