Prinzip Schönheit

Robert Carsens «Carmen» und Neues Musiktheater beim Holland Festival in Amsterdam: «Adam in Ballingschap» von Rob Zuidam trifft auf «Aquarius» von Karel Goeyvaerts

Opernwelt - Logo

Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt. Marc Albrecht entlockt dem Koninklijk Concertgebouworkest eine elegante, sehr genaue Interpretation der berühmten «Carmen»-Musik.


Die Partie des in Liebe, dann in Eifersucht und schließlich in Verzweiflung fallenden Sergeanten Don José singt Yonghoon Lee mit leicht geführter Tenorstimme: Entzückend sein Zaudern und fast erheiternd, wie er die Zweifel an «seiner» Männlichkeit ausbreitet. Carmen hingegen strotzt nur so vor selbstbewusster Weiblichkeit, präsentiert alle (virtuos gespielten) Klischees dessen, was traditionell mit dem «Feurigen» einer solchen «Zigeunerin» assoziiert wurde: Nadia Krasteva verkörpert das in leicht übertriebener, attraktiver Alltagsintensität. Sie besticht mit dem leicht verruchten Mezzo-Timbre einer Frau, die das Leben schon früh gründlich kennen gelernt hat. Kyle Ketelsen gibt den Escamillo als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Flucht nach vorn

Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer...

Spröde Wahrheiten

Im Musiktheater steht der Mythos von Orpheus und Eurydike derzeit wieder hoch im Kurs: In einer Gesellschaft, in der jede dritte Ehe geschieden wird, inspiriert die Trennung von Mann und Frau auch Komponisten. Und das umso mehr, als die bisherigen Orpheus-Opern durchaus noch Platz für neue Gewichtungen lassen: Interessierten sich Monteverdi und Gluck noch...

Italienische Reise

In der letzten Szene von Donizettis «Maria Stuarda» betritt, jedenfalls in Pier Luigi Pizzis Inszenierung, mit dem einleitenden Chor auch der Henker die Bühne. Erst unentschlossen, sucht er seinen Platz und stellt sich, auf sein Beil gestützt, in Positur – ein lebendes Standbild seiner Profession. Er muss sich allerdings in Geduld üben, denn der Chor lässt sich...