Prinzip Schönheit
Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt. Marc Albrecht entlockt dem Koninklijk Concertgebouworkest eine elegante, sehr genaue Interpretation der berühmten «Carmen»-Musik.
Die Partie des in Liebe, dann in Eifersucht und schließlich in Verzweiflung fallenden Sergeanten Don José singt Yonghoon Lee mit leicht geführter Tenorstimme: Entzückend sein Zaudern und fast erheiternd, wie er die Zweifel an «seiner» Männlichkeit ausbreitet. Carmen hingegen strotzt nur so vor selbstbewusster Weiblichkeit, präsentiert alle (virtuos gespielten) Klischees dessen, was traditionell mit dem «Feurigen» einer solchen «Zigeunerin» assoziiert wurde: Nadia Krasteva verkörpert das in leicht übertriebener, attraktiver Alltagsintensität. Sie besticht mit dem leicht verruchten Mezzo-Timbre einer Frau, die das Leben schon früh gründlich kennen gelernt hat. Kyle Ketelsen gibt den Escamillo als ...
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Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...
Allzu viele Aufführungen von Hans Pfitzners musiktheatralischem Hauptwerk «Palestrina» gab es in den letzten Jahrzehnten nicht – und wohl überhaupt noch keine eines innovativ durchdringenden Szenikers. Das scheint erstaunlich, weil es sich um ein Schlüsselwerk an der Nahtstelle zwischen Wagner und der Moderne handelt. Und zudem um eine veritable, in vielerlei...
Eine russische National- und Folkloreoper oder doch eher das Selbstbekenntnis eines großen Einsamen? Sandra Leupold hat in ihrer Kieler Inszenierung von Tschaikowskys «Pique Dame» diesen letzteren Ansatz konsequent weitergedacht und das Geschehen ganz auf das Drama um den Außenseiter Hermann fokussiert, in dem die Regisseurin eine Projektion des Komponisten sieht....
