Spannungslos
Erlösung heißt hier Hofstallgasse, das Flanierfeld vor den Festspielhäusern. Ein entspanntes Schlendern, händchenhaltend, vielleicht auf dem Weg zu einem G’spritzten. Und ein Blick zurück in die Videokamera: Holländer und Senta, nach letzten stimmtötenden Phrasen nun glücklich vereint. Man fürchtet ein wenig, dass sie zu Wagners finalen Takten auch noch winken. Es passt zum ganzen Abend in der Salzburger Felsenreitschule. Verstörung, Überwältigung, Hyperemotion? Nicht mit Carl Philip von Maldeghem, dem regieführenden Intendanten des Landestheaters.
Ein- bis zweimal pro Saison zieht es sein Ensemble auf die große Bühne, entsprechend Gewichtiges wird gespielt. Und gern so erzählt, dass auch Unvorbereitete mitkommen.
Die Überbreite der Bühne wird für diesen «Fliegenden Holländer» ausgeschöpft. Ein terrassenförmiges Schiffsdeck, zwei riesige Vorhangsegel, weiß (Daland-Welt) und rot (Holländer-Hölle), die von Statisten durchs Bild gezogen oder zum Sturmwindflattern gebracht werden. Dazu Videos mit wogenden oder gischtenden Wellen. Ab und zu öffnet sich das Deck und gibt im Keller eine Verpackungsstation für den Frauenchor frei oder, nun oben, Sentas Mädchenzimmer. Dort hängt das Plakat ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Markus Thiel
Harald Schmidt treibt sich gern in Opernhäusern herum. Am liebsten in solchen, die in schönen Städten stehen, wie er beim Künstlertreffen nach der Aufführung freimütig zugibt. Graz ist eine schöne Stadt. Deshalb ist Schmidt hier. Aber wohl auch wegen des Stücks, in dem er mitwirkt und das mit seinem leisen Spott sehr gut zu ihm passt, Schostakowitschs Operette...
Mögen auch gleich drei der beteiligten Damen, die echte Barbara Delacqua sowie zwei strategisch eingesetzte Doppelgängerinnen, im Minirock des klassischen Supergirl-Outfits stecken, so haben sie doch die Hosen an in dieser Neuinszenierung der «Nacht in Venedig» durch Nina Spijkers, mit deren Premiere das Haus am Gürtel den 200. Geburtstag von Johann Strauß (Sohn)...
Zu den flirrenden Klängen der Ouvertüre wird in Tom Goossens’ Inszenierung von Verdis «La traviata» ein großer Scheinwerfer hinabgesenkt. Über ein meterlanges Kabel ist er mit einem Schaltpult verbunden, das von der Titelheldin selbst bedient wird. Immer mehr dieser Leuchtmittel senken sich herab und tauchen die Bühne in reines, strahlendes Licht. Es zeigt Violetta...
