Soundscapes
Dass Na’amer Zissers «Mamzer Bastard» in Hackneys Empire gegeben wird, ist kein Zufall: In diesem Ostlondoner Bezirk lebt die größte chassidische Gemeinschaft Europas. Die israelische Komponistin – Stipendiatin der Londoner Royal Opera und Guildhall School of Music – verquickt traditionelle chassidische Melodien mit dem eigenen Idiom. Auch das Libretto ihrer Schwägerin Samantha Newton und Schwester Rachel spiegelt in wiederkehrenden Textpassagen den rituellen Charakter. Mit Netanel Hershtik steht als David sogar ein echter Kantor auf der Bühne.
Der junge Orthodoxe Yoel wird vor seiner Hochzeit von Zweifeln geplagt. In der durch einen stadtweiten Stromausfall verursachten Finsternis rettet ihm ein Fremder das Leben. Er entpuppt sich als der totgeglaubte erste Ehemann von Yoels Mutter – Yoel wurde nach ihm benannt. Da diese erste Ehe der Mutter nie geschieden wurde, ist Yoel (und jeder seiner Nachkommen) ein «Mamzer» und darf eigentlich nicht heiraten. Er tut es trotzdem – und bricht damit den Bann.
Warum die Handlung auf das Drama des New Yorker Blackouts 1977 angewiesen ist, erschließt sich nicht recht. Das äußere Chaos (in Form verrauschter Radionachrichten) kann nicht darüber ...
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Ein gutes Tier ist das Klavier. Still, friedlich und bescheiden steht es auf Gary McCanns Theater-im-Theater-Bühne für Christian Räths Neuinszenierung des «Freischütz» an der Wiener Staatsoper, wird zu einer Art stillem Teilhaber des Abends. Gelegentlich stürzt der Virtuos’ darauf los – in Gestalt von Max, der in dieser Produktion nur nebenbei Jäger, im Hauptberuf...
Schlag nach bei Shakespeare: «Better once than never, for never too late.» Dies sagt freilich nicht Othello, sondern Petruchio in «The Taming of the Shrew». Doch das Zitat zielt hier ohnehin nicht aufs Stück, sondern auf mögliche Überlegungen von Jonas Kaufmann, dem Debütanten in der Titelpartie von Verdis «Otello» in dieser Produktion an Covent Garden.
Einmal...
So schlecht ist dieses schräge Stück gar nicht, man muss es nur überzeugend auf die Bühne bringen: «Edgar», Puccinis zweite, selten gespielte Oper. Die Bühne, das ist hier der Klosterhof vor der mächtigen Fassade der Kathedrale St. Gallen. Mit dabei sind die Magie des Ortes, die Dämmerung sowie Schwalben, die sich um Vierteltöne zu hoch ins musikalische Geschehen...
