Sommertheater am Mississippi
Seit nunmehr dreiunddreißig Spielzeiten bietet das Opera Theatre of Saint Louis ein ausgesuchtes Programm, das vom heimischen Publikum, von Besuchern aus ganz Amerika sowie von der internationalen Presse gleichermaßen geschätzt wird.
Wenn die führenden US-Häuser (die Met in New York, die Lyric Opera in Chicago, die San Francisco Opera) schon Theaterferien machen und Sommeropern wie Santa Fe oder Glimmerglass noch nicht spielen, geht in Saint Louis ein nunmehr auf fünf Wochen ausgedehntes Festival über die Bühne, das Standardrepertoire mit Raritäten kombiniert und jungen, aufstrebenden Gesangstalenten die Chance gibt, mit etablierten Regisseuren zu arbeiten. Aufführungssprache ist durchweg Englisch. Die Vorstellungen finden im intimen Loretto-Hilton Center statt. Es gibt wohl nur wenige Spielorte, die eine ähnlich enge Verbindung zwischen Sängern und Publikum schaffen. Sogar der Orchestergraben – schmal und (beinahe) so unsichtbar wie der mystische Abgrund in Bayreuth – bildet keine Barriere. Die Nachteile: Er ist so klein, dass die vorgeschriebene Zahl der Musiker in vielen Fällen reduziert werden muss. Oft mischt die trockene Raumakustik die Orchesterstimmen nicht, sondern trennt sie, was nicht gerade zu den Pluspunkten zählt. ...
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Ein tönender Überfall. Kopfüber stürzt sich das Orchestre philharmonique de Strasbourg in diesen «Fidelio». Das Fanfarenmotiv am Beginn der Ouvertüre: wie ein Startschuss, schnell, fast schon hastig, alles beiseite drückend, keinen Einwand duldend, basta. Der Straßburger Beethoven-Tonfall ist eher harsch, wie abgerissen, schmucklos drängend, ja, dringlich, Verve...
Ein Werk gewinnt an Popularität: Kurz nach Berlin (siehe OW 7/2008) brachten auch die Hallenser HändelFestspiele den mit ausführlichen Szenenanweisungen und der entsprechenden «szenisch sprechenden» Musik versehenen «Belshazzar» (1744) auf die Bühne. Mit gutem Grund: Das «Oratorium» hat alles, was eine gute Oper braucht, außer dem Namen. Und den enthielten ihm die...
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber...
