Eros treibt sie alle
Ein Werk gewinnt an Popularität: Kurz nach Berlin (siehe OW 7/2008) brachten auch die Hallenser HändelFestspiele den mit ausführlichen Szenenanweisungen und der entsprechenden «szenisch sprechenden» Musik versehenen «Belshazzar» (1744) auf die Bühne. Mit gutem Grund: Das «Oratorium» hat alles, was eine gute Oper braucht, außer dem Namen. Und den enthielten ihm die Autoren nur vor, um freizügiger sämtliche Opernkonventionen des Barock brechen zu können.
Anders als Christof Nel in Berlin teilt der Schauspieler Philippe Calvario («Intimacy») in seiner gelungenen Inszenierung den um das Vocal Consort Dresden erweiterten Chor der Oper Halle. So kann er nicht nur die drei Völker, um deren Schicksale es geht, auch szenisch scharf gegeneinander absetzen, sondern überdies leise die fatale Tragik jeder Befreiungsbewegung andeuten, die, um schlagkräftig zu sein, die Massen abermals gleichschalten und entmündigen muss. Die dekadenten Babylonier feiern unter der Leitung des als aufgedunsenes Riesenbaby à la Louis XV. ausstaffierten Titelhelden (Nicholas Sales mit geläufigen Koloraturen, aber wenig einnehmendem Timbre) in den Rokoko-Kostümen des Ancien Régime de Sade’sche Orgien. Die von ...
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«Das ist auch eine Frage der Qualität»
Leipziger Turbulenzen II: Peter Konwitschny über Musiktheater als moralische Anstalt, herbeigeredete Konflikte und seine Pläne
Herr Konwitschny, Ihr Kollege Giancarlo del Monaco hat in Zusammenhang mit seiner Inszenierung von «Manon Lescaut», die kürzlich in Leipzig herauskam, gesagt, er mache «Oper für das Publikum». Was...
