Keine Angst vor geschlossenen Räumen
In den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben Rück- und Seitenlichtkonzepte, die im Bühnenbild teilweise absurde Einschnitte («Lichtschießscharten») erforderten, eigentlich geschlossene Raumkonzepte torpediert. Seither habe ich mir angewöhnt, einen «gedeckelten» Raum so zu akzeptieren, wie er vielleicht gemeint ist. Dabei habe ich mich, wie ich glaube, zu einer Art «Frontlichtspezialist» entwickelt.
Neben dem meist nicht unerwünschten Effekt, die Gesichter der Sänger bestens zu sehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, «stimmungsvoll» zu leuchten: mittels verschiedener Winkel der Zuschauerraumbrücken, der mittlerweile technisch perfektionierten Fußrampe und der Anwendung verschiedener Farbtemperaturen zwischen warm- und kaltweiß. Und nicht zuletzt, indem man als Lichtdesigner aus einer gewissen «Not», nämlich dem Videobeamer, eine «Tugend» macht, da das neue und mächtige Instrument meistens im wirkungsvollen flachen Winkel positioniert ist. Natürlich freue ich mich über offene Räume mit zahlreichen Beleuchtungsmöglichkeiten. Dabei betrachte ich mich eher als antikonzeptionell und verlasse mich darauf, Räume und Situationen am besten bei laufenden Proben intuitiv ...
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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Serie, Seite 46
von Götz Thieme
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