Keine Angst vor geschlossenen Räumen

Bühnen- und Lichtgestalter stellen ihre liebste Arbeit vor – Olaf Winter: «nur manchmal geht eine Türe auf, dann fällt ein Licht hinein ...»

In den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts haben Rück- und Seitenlichtkonzepte, die im Bühnenbild teilweise absurde Einschnitte («Lichtschießscharten») erforderten, eigentlich geschlossene Raumkonzepte torpediert. Seither habe ich mir angewöhnt, einen «gedeckelten» Raum so zu akzeptieren, wie er vielleicht gemeint ist. Dabei habe ich mich, wie ich glaube, zu einer Art «Frontlichtspezialist» entwickelt.

Neben dem meist nicht unerwünschten Effekt, die Gesichter der Sänger bestens zu sehen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, «stimmungsvoll» zu leuchten: mittels verschiedener Winkel der Zuschauerraumbrücken, der mittlerweile technisch perfektionierten Fußrampe und der Anwendung verschiedener Farbtemperaturen zwischen warm- und kaltweiß. Und nicht zuletzt, indem man als Lichtdesigner aus einer gewissen «Not», nämlich dem Videobeamer, eine «Tugend» macht, da das neue und mächtige Instrument meistens im wirkungsvollen flachen Winkel positioniert ist. Natürlich freue ich mich über offene Räume mit zahlreichen Beleuchtungsmöglichkeiten. Dabei betrachte ich mich eher als antikonzeptionell und verlasse mich darauf, Räume und Situationen am besten bei laufenden Proben intuitiv ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Serie, Seite 46
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Idiomatisch

Die meisten Opern handeln bekanntlich von der Liebe. In Benjamin Brittens «A Midsummer Night’s Dream» jedoch ist diese Liebe verzerrt, in Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» sogar sadomasochistischer Natur. Wie auch immer: Die Rückkehr zu Live-Aufführungen in Australien – beim Adelaide Festival und am Opernhaus von Sidney – geriet zu einer hochgradig...

Der Mythos lebt

Dass Herbert von Karajan über seinen 100. Geburtstag hinaus gerade für die Musikwissenschaft ein interessanter Gegenstand sein würde, ist erstaunlich und war nicht zu erwarten. Denn zu Lebzeiten wurde er gerade von dieser Seite selten ernst genommen, seine Selbstpräsentation als ambitionierter Freizeitsportler und profitorientierter Musikunternehmer machte ihn...

Einfach himmlisch

Würde man zum Pathos neigen, könnte man sagen: Monteverdi war ihr Schicksal. Bei Lichte betrachtet taugte dieser Komponist aber vor allem als Bindeglied zwischen zwei Künstlern, die sich nicht erst seit gestern der enigmatischen Aura seiner Musik verschrieben haben. Erstmals vor zehn Jahren kamen Sonya Yoncheva und Leonardo García Alarcón für ein Monteverdi-Projekt...