Smoking und Knarre
Das Trojanische Pferd blieb draußen vor der Tür: eine sechs Meter hohe Sehenswürdigkeit. Was drinnen, im Straßburger Haus der Opéra national du Rhin, über den Schienenstrang auf Hermann Feuchters Bühne herankurvte, war ein trojanischer Panzer mit gewaltiger Kanone. «Les Troyens», das Gipfelwerk des von der elsässischen Drei-Städte-Oper neuerdings ganz speziell gepflegten Hector Berlioz, finden sich in der Koproduktion mit dem Gelsenkirchener Musiktheater im Revier im Ersten Weltkrieg wieder. Diskutabel.
Ein Menetekel, wie sich die zerschundenen Gestalten aus den Schützengräben heraus mühten, vom Elend Geschlagene, die während der griechischen Belagerung im Schutt der Ruinen vegetierten, Beschädigte, weiß Gott, in Gabriele Heimanns Kostümen beinahe eins mit dem Trümmerchaos. Weit weniger diskutabel, wie Regisseur Andreas Baesler diese abgerissenen Menschen in einer uninspirierten Allerweltsgestik – ja, beinahe schon denunziert: Opernharm nach alter Väter (Un-)Sitte.
Klimawechsel. In den Karthago-Akten ist die Aufführung auch in der Phase nach Weltkrieg II angekommen, im hellen Wirtschaftswunder-Glamour einer strahlenden Wüstenresidenz. Man trägt Dinnerjacket. Wiederum: ...
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Eines haben viele Ausgrabungen fernab des Repertoires gemeinsam: Bei aller Freude über bislang selten gehörte Werke ist man schnell mit der Begründung bei der Hand, warum sich diese oder jene Oper doch nicht auf den Spielplänen gehalten hat. Auch bei den zahlreichen Werken, die Saverio Mercadante (1795-1870) vertonte, urteilt man schnell: Nicht nur zeitlich lag er...
Da sind sie wieder, all die Bekannten aus dem Regietheater der Gegenwart: ein Einkaufswagen, ein paar Bierkästen, ein Gitterzaun, die Filmkamera – natürlich mit Simultanübertragung. Irgendwann ist Sperrmüllsammlung, könnte der weniger erfahrene Theatergänger mutmaßen, dann nämlich, wenn die Akteure das gesamte Gerümpel auf einen großen Haufen schmeißen. Dabei ist...
Die Idee ist bestechend, ihre Ausführung bewundernswert. Wie wäre es, überlegte vor gut zehn Jahren der britische Musiktheater-Aficionado Mike Gibb, wenn Informationen über das Operngeschehen auf der ganzen Welt zuverlässig, umfassend, schnell und möglichst gratis im Internet zur Verfügung gestellt werden könnten? Gedacht, getan: 1996 startete Gibb den bis dato...
