Vesa Sirén: «Finnlands Dirigenten», Scoventa Verlag, Bad Vilbel 2017. 992 Seiten, 49, 90 Euro
Skurrile Spezies
In Helsinki zu leben, müsse schrecklich sein, vermutete vor Jahren ein englischer Musikkritiker, weil es dort weder Klempner noch Taxifahrer gebe, sondern nur Dirigenten. Mittlerweile haben sie sogar ihren eigenen Wegweiser, sozusagen die Gelben Seiten der Taktstockschwinger. Und nun dieses Buch. Agenten und Orchesterdirektoren werden sich darauf stürzen. Denn Finnlands Dirigenten stehen hoch im Kurs, nur waren Hintergrundinformationen bislang kaum zu ergattern.
Bei Vesa Sirén können sich aber auch südlich der Ostsee lebende Freizeitleser erstmals umfassend über die frühe Interpretations- und Rezeptionsgeschichte von Sibelius informieren, geprägt durch Robert Kajanus und Georg Schnéevoigt, zwei genialisch-skurrile Gestalten, deren Feindschaft ebenso legendär war wie ihr abweichendes Verhalten auf allen anderen Gebieten. Dieses Verhalten wirkte offenbar stilbildend. Der finnische Dirigent ist dem Phänotypus nach zugleich mürrisch und sanguinisch, ein Liebhaber von Golfen und Segeln, geht am liebsten fischen, wenn er nicht in seiner Sauna sitzt, hat immer einen Selbstgebrannten griffbereit. Natürlich hält er Sibelius für den größten aller indigenen Komponisten, manchmal auch Joonas ...
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Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Volker Tarnow
Vor dem Teatro Massimo steht eine mit großen Bildschirmen ausgestattete Bühne. Wird Salvatore Sciarrinos «Superflumina» (2011) etwa live nach draußen übertragen? Das wäre doch mal etwas, der gewaltige Einsatz würde sich vielleicht sogar lohnen. Ein groß besetztes Orchester braucht man für das Stück, einen starken Chor, jede Menge Probenzeit – und diesem Aufwand...
Die Lobpreisung kam aus berufenem Munde: «In einem ähnlichen Sinn wie dem, in welchem es nur die Hegelsche Philosophie gibt», proklamierte Theodor W. Adorno in seiner brillanten, fragmentarischen Studie über den Komponisten, «gibt es in der Geschichte der abendländischen Musik nur Beethoven.» Beethovens Musik, das war Adornos apodiktische Überzeugung, sei «das Bild...
Geboren wurde Gottfried von Einem am 24. Januar 1918. Gestorben ist er offenbar nie. Jedenfalls begleitet ihn ein Buch seiner Ehefrau Lotte Ingrisch über den 12. Juli 1996 hinaus auf einer sehr vitalen, von spiritistischem Zinnober nicht freien «Jenseitsreise». Die Rolle eines Menschen, der aus der Zeit gefallen ist, spielte Einem gern. Auf einer Podiumsdiskussion...
