Ingela Brimberg (Brünnhilde) und Aris Argiris (Wotan); Foto: Theater/Herwig Prammer

Aus dem Familienalbum

«Hagen», «Siegfried», «Brünnhilde»: Tatjana Gürbaca, Bettina Auer und Constantin Trinks verordnen dem Theater an der Wien eine Trilogie nach Wagners «Ring des Nibelungen»

Opernwelt - Logo

Ekstase oder Eklektizismus? Kunst oder Kasperletheater? Kühler Kopf oder heiße Luft? Vielleicht auch der Versuch, auf einer bestens polierten Glatze eine Locke zu drehen (um Karl Kraus zu variieren)? Es geht um die «Ring»-Kur in drei Dosierungen – als «Hagen», «Siegfried» und «Brünnhilde» –, die Tatjana Gürbaca (Regie), Bettina Auer (Dramaturgie) und Constantin Trinks (Dirigent) dem Theater an der Wien verordneten. Wie immer, wenn mit Erbstücken der Musikgeschichte (vor allem jenen aus Wagners Hand) frei umgegangen wird, kommt auch der alte Kaiser Ferdinand I.

(1793-1875) ins Spiel. Der Monarch, aufgrund seiner geistig harmlosen Natur vom Volksmund «der Gütige» genannt, soll angesichts der Revolutionen anno 1848 gefragt haben, «Derfn s’ denn des?» (Dürfen die denn das?). Was nun auch zur Hauptfrage in den Pausengesprächen im Theater wurde.

Im Revolutionsjahr 1848 hatte der Dresdner Kapellmeister und Revolutionär Richard Wagner erste Überlegungen zu einem möglichen «Ring»-Projekt angestellt und mit «Siegfrieds Tod» das Pferd sozusagen vom Schwanz her aufgezäumt. Ein solches Prozedere machten sich nun auch die nachschöpferischen drei zu eigen, indem sie eben jeweils mit dem Mord am ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Verdi ist neuer Belcanto

Verlässlichkeit ist eine Kompetenz, die auf dem nach Glamour gierenden Opernmarkt mitunter wenig zählt. Francesco Meli gehört zu den Sängern, um die man sich auch im Fall kniffligster Partien nicht sorgen muss. Ganz ohne Tamtam ist der Genueser ins Spitzenfeld der Tenöre vorgedrungen. Weil der 37-Jährige viel technisches Rüstzeug und stilistisches...

Skurrile Spezies

In Helsinki zu leben, müsse schrecklich sein, vermutete vor Jahren ein englischer Musikkritiker, weil es dort weder Klempner noch Taxifahrer gebe, sondern nur Dirigenten. Mittlerweile haben sie sogar ihren eigenen Wegweiser, sozusagen die Gelben Seiten der Taktstockschwinger. Und nun dieses Buch. Agenten und Orchesterdirektoren werden sich darauf stürzen. Denn...

Alle Macht den Stimmen?

Die Barockoper jenseits von Monteverdi und Händel ist auf den Bühnen noch immer eine Rarität. Ganze Bereiche barocker Opernschätze sind ungehoben. Das betrifft vor allem den Übergang vom venezianischen Früh- zum neapolitanischen Hochbarock, aber auch das von Metastasio kodifizierte Dramma per musica, das seit den 1720er-Jahren von Neapel aus ganz Europa eroberte....