Sinnliche Dekonstruktion
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke.
Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie «lenken, verwalten, gerade richten»; das heißt, meine Präsenz auf der Bühne muss sich nicht als letztes Glied in einer Kette manifestieren, sondern sollte vielmehr in der Form jedes einzelnen Gliedes des Operncolliers erkennbar sein. Jede meiner Arbeiten entwirft ein erarbeitetes Weltbild, jede spielt gewissermaßen in meinem Kopf, in dem Sinn, dass sie den Raum wiedergibt, in dem mein Team, das ganze Ensemble und ich uns in dem Werk gemeinsam behausen konnten. Und zu einem Werk gehört für mich eben auch dessen eigener Mythos.
Aber liegt in der Beschäftigung der Kunstform Oper mit sich selbst, die beispielsweise in Ihren Essener «Puritanern» oder in Ihrem Rigaer «Rheingold» hervortritt, nicht auch die Gefahr eines Bedeutungsverlustes?
Natürlich, solange das bloß eine ausgestellte Analyse bleibt. Sinn stiftet die Oper ja erst ...
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