Sinnfälliges Doppel
Normalerweise siegt im Märchen das Gute über das Böse, und der Held bekommt die Prinzessin. In «Der Schatten» von Hans Christian Andersen ist es umgekehrt – und genau das hat den schwedischen Komponisten Hans Gefors zu der Kammeroper «Schattenspiele» inspiriert, die das Theater Hof sinnfällig mit dem «Leuchtturm» von Peter Maxwell Davies kombiniert. In beiden Stücken geht es um Abseitiges, Unbewusstes, Unergründliches, um menschliche Schattenseiten eben, die kontrastreich mal aus ironischem Blickwinkel, mal krimihaft verdichtet präsentiert werden.
Mit der Neuinszenierung betraute Intendant Reinhardt Friese seinen Vorgänger Uwe Drechsel, der, um es dem Publikum leichter zu machen, einen Erzähler hinzuerfunden hat: Hans Christian Andersen. Der führt moderierend in die «Schattenspiele» ein und gibt zum autobiografisch getränkten Geschehen (Libretto: Maria Sundqvist in der Übersetzung von Jenny Svensson) süffisant seinen Senf dazu.
Ein dänischer Gelehrter auf Bildungsreise verschaut sich in die personifizierte Poesie, die italienische Verse singt und flötet, entdeckt bei ihr seinen eigenen Schatten und muss nach seiner Rückkehr feststellen, wie der sich zunehmend selbstständig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Monika Beer
Jubilare
Giorgio Zancanaro studierte in seiner Geburtsstadt Verona bei Maria Palanda und wurde 1969 beim Wettbewerb «Voci Verdiane» in Busseto entdeckt. Sein Debüt gab der Bariton ein Jahr später als Riccardo in Bellinis «I puritani» in Mantua. Daraufhin rissen sich die großen Opernhäuser Italiens um ihn. Zancanaro gelang es, u. a. als Giorgio Germont in «La...
Schmutzige, düstere Schäbigkeit, ein aufgegebenes Hochhaus bietet den Opfern der Geschichte und der zerstörten Natur Unterschlupf. Die Stadt Babylon wurde zerstört, nie wieder soll sie erbaut werden – so zitiert ein «Skorpionmensch», ein Cyborg mit metallenem Stachel, alttestamentarische Propheten zu Beginn der Oper «Babylon» von Jörg Widmann und Peter Sloterdijk....
Beim Schlendern durch Genuas Gassen stößt man irgendwann auf eine Gedenktafel, die besagt, dass in diesem Haus der französische Dichter Paul Valéry 1892 ein nächtliches Gewitter von apokalyptischem Ausmaß erlebte, welches ihn kathartisch veränderte, als Lyriker verstummen ließ. In «Die Nacht von Genua» hat er die Identitätskrise thematisiert: «Überall Gewitter....
