Sex ist nicht alles
Der Titelheld der Geschichte ist ein Verführer. Ein Sexprotz mit einem Eroberungsverzeichnis, das stolze 2065 Eintragungen aufweist. Was also liegt näher, mag sich Regisseur Georges Delnon, in Richtung Basel scheidender Intendant des Mainzer Staatstheaters, gefragt haben, als jede Menge Sex auf der Bühne?
So lag gleich am Anfang Donna Anna nur spärlich verhüllt auf der Bühne, schlief Donna Elviras Zofe nackt im Zimmer ihrer Herrin. Bei dieser wiederum versuchte Leporello schon während der Registerarie sein Glück.
Da zugleich auch Masetto und Zerlina hinter der Szene mit Kopulation beschäftigt waren, gab es lautstarke synchrone Lustschreie zu vernehmen. Don Giovanni schließlich vernaschte noch die unglückliche Donna Elvira, während die Statue des Komturs – in Mainz eine kopflose Schaufensterpuppe – schon vor seiner Tür stand.
Das andere Prinzip von Delnons Regie bildeten aparte Bildfantasien und ständige Bewegung. Da war alles stets mobil, transportierten Laufbahnen die Akteure über die Bühne. Immer wieder verdeckte eine fahrbare Zwischenwand die Darsteller, um den Blick auf sie dann gleich wieder freizugeben; Schaufenster-ähnliche, fahrbare Kästen garantierten variable ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Erfahrungen mit historischer Aufführungspraxis kommen bei der Dresdner Staatskapelle bislang nur sporadisch zum Zuge. Einzelne der immerhin sechs Mozart-Produktionen im Repertoire der Semperoper sind daher trotz der viel gerühmten Spielkultur der Staatskapelle von durchaus behäbiger Konventionalität. Gemessen daran bietet der neue Dresdner «Figaro» manche...
In den Tagen der Uraufführung von Aulis Sallinens Oper «Kullervo» 1992 brannten in Los Angeles, wo die finnische Nationaloper zu Gast war, die Straßen: Unter Jugendlichen brach sich die aufgestaute Frustration in Zerstörungen Bahn. Das Produktionsteam empfand damals diese Ereignisse wie einen Fingerzeig auf die Aktualität des neuen Stücks.
Sallinens Oper basiert auf...
Da wächst ein großes Talent heran: Antony Hermus, seit einem Jahr GMD in Hagen. Der junge Dirigent imponierte mit «Elektra», ließ trotz kompakter Klangattacken Raum für Steigerungen, differenzierte klug diesen «blutigen» Klangrausch, hellte zumal die wenigen «friedlichen» Momente wunderbar wie lyrisch-lichte Schneisen im mythosbeladenen Dunkel auf. Das Hagener...
