Seid umschlungen, Millionen
Alte Dirigenten interessieren sich selten für die «Zauberflöte». Hans Knappertsbusch sprach es offen aus: Jedes Mal wenn er in Fahrt komme, müsse er wieder aufhören – wegen der endlosen Dialoge. So denken viele. Dann doch lieber den «Don Giovanni» mit seinem symphonischen Furor. Weil die «Zauberflöte» ein Singspiel ist, lässt sich bei ihr nur schwer herstellen, was für erfahrene Musiker oft zur Hauptsache wird: tönende Architektur, klingender Zusammenhang.
Nikolaus Harnoncourt, Jahrgang 1929, hat jetzt bei den Salzburger Festspielen eine aufregende, gleichwohl viel Geduld einfordernde Version der «Zauberflöte» vorgestellt. Sie ist nicht einfach nur langsam, sondern auf leise Weise radikal. Sie lässt die Musik neu und frei entstehen. Mozarts letzte Oper erscheint nicht als hinlänglich bekanntes Gefüge, das es zu formen gilt. Vielmehr könnte die Musik bei vielen Modulationen und nach (fast) jeder Generalpause auch ganz anders weitergehen, könnte ins Fragmentarische verebben, sich im Suchen verlieren.
Das muss man erst einmal hinbekommen. Ausgerechnet Harnoncourt, der die musikalische Rhetorik des 18. Jahrhunderts erforscht hat wie kaum ein anderer, deutet die «Zauberflöte» aus dem ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Stephan Mösch
Er war sechzig Jahre alt und hatte ebenso viele Opern geschrieben, als die Entscheidung fiel. Giovanni Simone Mayr kehrte dem Theater den Rücken und schrieb fortan nur noch Sakralmusik. «Demetrio, Re di Siria», am 27. Dezember 1823 am Teatro Regio in Turin uraufgeführt, könnte man dabei als eine Art Vermächtniswerk ansehen, in dem der Komponist die Summe seiner...
I
Eine halbe Stunde noch. Im Vorhof des barocken Hôtel Maynier d’Oppéde stehen schon an die fünfzig Neugierige Schlange. Sicher ist sicher: Die Plätze sind schnell weg in den öffentlichen Meisterklassen der Académie européenne de musique, die das Festival in Aix seit 1998 veranstaltet. Man scherzt, winkt sich zu, plaudert entspannt über die Hitze, die Familie, das...
Calixto Bieito hat wieder einmal zugelangt und in seiner Inszenierung von Jean-Philippe Rameaus ballet bouffon «Platée» die Hosen heruntergelassen. Bieito erzählt die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe Platée, die zum Spaß mit Jupiter verkuppelt und bei Rameau von einem Tenor dargestellt wird, als die Geschichte eines (von Thomas Walker glänzend gespielten,...
