Die letzte Assoluta
Mit Sängerbiografien ist es so eine Sache. Zumal, wenn die beglückten Hauptpersonen noch unter uns weilen und munter auf dem hart umkämpften Stimmenmarkt mitmischen. Wer viel zu verlieren hat, neigt zur Verschwiegenheit. Wer viel zu gewinnen hofft, zur Aufschneiderei. Erfahrungen und Ereignisse, Fabeln und Fakten werden allenfalls gefiltert ausgereicht. Auf dass sie der Beförderung der eigenen Karriere dienen. So lesen sich nicht wenige Bücher über prominente Gesangsartisten wie Schaufensterprosa, von PR-Erzeugnissen kaum zu unterscheiden. Viel Wind, wenig Substanz.
Von solchen Rosarot-Produkten hebt sich Markus Thiels Buch über die Belcanto-Königin Edita Gruberova wohltuend ab. Das liegt zunächst einmal an Thiels Haltung zum Gegenstand: Der Autor macht zwar kein Hehl aus seiner Bewunderung für die Lebensleistung einer Sängerin, die mit den Heroinen Bellinis, Donizettis und (weniger) Rossinis seit mehr als drei Jahrzehnten das Publikum in Atem hält. Doch kommt die Reverenz an «die letzte Assoluta unserer Zeit» nicht im anekdotischen Fan-Jargon daher, sondern in einem sensibel-sachlichen Ton, der auf viele vertraute Gespräche schließen lässt. Bei aller Offenheit bleibt diese ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Medien, Bücher, Seite 47
von Albrecht Thiemann
Abschied
Ein Jahr vor ihrem Tod haben wir in ihrem Dresdner Intendantenbüro zusammengesessen. Es ging um die Semperoper, um Christian Thielemann, den sie gerade als Chefdirigent für die Staatskapelle gewonnen hatte, um Gott und die Welt. So war es immer, wenn man mit Ulrike Hessler sprach. Auf Kritik konnte sie auch mal dünnhäutig reagieren, aber sie war nie...
In den Festzelten füllen sich die Plastikbecher mit Kaltgetränken, die Luft ist warm, der Himmel blau, die Laune leicht. Das Thema aber ist schwergewichtig: Im Schatten der steilen Sandstein-Silhouette von Dom und Severikirche wird Verdis selten gespielte Kreuzzugs-Oper «I lombardi» gezeigt. Eine goldene Welle schwingt sich elegant über den Fuß der Freitreppe, eine...
Herr Schreier, Sie sind als Oratorien- und Liedsänger berühmt geworden. Die Oper kam erst später hinzu?
Ja, so ist es. Meine Entwicklung ging vom Dresdener Kreuzchor aus, von der Affinität zu den alten Meistern. Warum bin ich überhaupt zur Oper gekommen?! Ich werde es Ihnen sagen: Eine Gesangskarriere kann man nicht ohne Oper machen.
Fühlten Sie sich zur Oper...
