Seelengesänge
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch eine Art memoire involontaire ist, matt glänzende Erinnerung, fast schon verblasster Zauber.
Wenn Benjamin Bernheim (siehe Interview auf S.
30) seine Stimme erhebt (wobei: «erheben» ist nicht das richtige Wort, er lässt sie eher zart erbeben und durch den Raum schweben), dann ist man geneigt, ihm jedes sehnsüchtig empfundene Wort auf der Stelle zu glauben: Hier ist wirklich jemand, der das romantische Ideal individuell-verinnerlichter Weltwahrnehmung vermittels des Gesangs wieder in seinen Stand setzt und dazu nicht eine Sekunde lang laut werden muss. Bernheims Tenor ist genuin lyrisch, und selbst wenn er einmal einen Akzent nutzt, um einen bestimmten Ausdruck zu verdeutlichen, klingt sein Tenor noch wie in Watte gehüllt, vornehm und elegant. Die Technik des Franzosen ist nicht anders denn superb zu nennen, selbst hohe Töne ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
Claudio Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» ermöglicht immense musikalische Freiheiten – die Instrumentation dieser Oper ist bekanntlich nicht überliefert, die «Partitur» enthält nur Melodie- und Gesangslinien sowie den bezifferten Bass. In Pandemie-Zeiten eine ideale Ausgangslage für ein Opernhaus, da eine reduzierte Besetzung möglich ist. Die Dramaturgie...
Autorität
Die großen Bühnen der Welt sind ihm vertraut. Vladimir Jurowski hat sein immenses Können als Dirigent bereits an der Met sowie in Paris, London, Mailand und Moskau unter Beweis gestellt. Nun tritt er als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in die Fußstapfen seines nach Berlin enteilten Landsmannes Kirill Petrenko. Ein Porträt
Anti-Diva
Ihre...
In einem Frankfurter Vorort irritiert das Plakat «Heimatboden statt Beton»: weniger wegen des Vorbehalts gegenüber dem Beton, der zur «Versiegelung» der Landschaft beiträgt (und somit auch zu manchen Überschwemmungs-Katastrophen), vielmehr des unbefangenen Umgangs mit nicht ganz unbelasteten Wörtern wie «Heimat» und «Boden» wegen, die zumindest im Zusammenhang mit...
