Seelengesänge
Ach ja, die Liebe. Könnte so einfach sein, schwerelos, süß und seelenvoll, kurzum: die schönste Sache der Welt. Klappt nur leider nicht immer, das weiß auch der traurige Dichter Hoffmann. Aber er tröstet sich und uns damit, dass er seine melancholisch getünchten Erfahrungen in Töne kleidet und eben von dem singt, wovon er nicht mehr sprechen mag und was nur noch eine Art memoire involontaire ist, matt glänzende Erinnerung, fast schon verblasster Zauber.
Wenn Benjamin Bernheim (siehe Interview auf S.
30) seine Stimme erhebt (wobei: «erheben» ist nicht das richtige Wort, er lässt sie eher zart erbeben und durch den Raum schweben), dann ist man geneigt, ihm jedes sehnsüchtig empfundene Wort auf der Stelle zu glauben: Hier ist wirklich jemand, der das romantische Ideal individuell-verinnerlichter Weltwahrnehmung vermittels des Gesangs wieder in seinen Stand setzt und dazu nicht eine Sekunde lang laut werden muss. Bernheims Tenor ist genuin lyrisch, und selbst wenn er einmal einen Akzent nutzt, um einen bestimmten Ausdruck zu verdeutlichen, klingt sein Tenor noch wie in Watte gehüllt, vornehm und elegant. Die Technik des Franzosen ist nicht anders denn superb zu nennen, selbst hohe Töne ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
Etwas ist anders als sonst. Genauer: eine Figur, die das Stück gar nicht vorsieht. In wallendem Gewand schwebt der holde Knabe im lockigen Haar (Felix Hennig) über die Bühne und um die Figuren herum, immer eine oder mehrere Puppen in den Händen, den Blick mit hingebungsvoller Zärtlichkeit auf die Protagonisten gerichtet. Ein Engel mit weißen Flügeln, der nicht nur...
Gefragt, welcher griechische Künstler des 20. Jahrhunderts einem spontan als «prägend» in Erinnerung sei, werden womöglich nicht wenige ihn als ersten nennen. Und dies aus gleich zwei Gründen: einem musikalischen und einem politischen. Denn wie kaum ein anderer hat Mikis Theodorakis kompositorische Wirksamkeit gesucht (und gefunden) und zugleich als Homo politicus...
Die eine weltberühmt, die andere fast vergessen – dennoch schienen beide Italienerinnen, die am Pfalztheater Kaiserslautern und an der Oper Frankfurt die neue Spielzeit eröffneten, unverkennbar auf einer Wellenlänge zu schwingen: Rossinis erfolgsverwöhnte «L’Italiana in Algeri» und Cimarosas 35 Jahre ältere «L’ Italiana in Londra», die nach der Römer Uraufführung...
