Schwarze Romantik

Erfurt | Meyerbeer: Robert le Diable

Opernwelt - Logo

«Robert ist unvergänglich», – so urteilte 1841 kein anderer als Richard Wagner über Giacomo Meyerbeers damals gerade zehn Jahre alte Oper, und er stand mit dieser Meinung keineswegs allein. Mit «Robert le Diable» und den wenig später (1836) entstandenen «Huguenots» habe Meyerbeer der Oper das Fenster zu neuen ästhetischen Horizonten geöffnet, habe sie befähigt, die großen religiösen und politischen Fragen der Menschheitsgeschichte auf der Musiktheaterbühne zu behandeln. Jedenfalls war die Wirkung des «Robert» auf die Komponisten des 19. und frühen 20.

Jahrhunderts groß und nachhaltig, nicht zuletzt auf Wagner selbst, der noch in einer zentralen Szene seines «Parsifal» Meyerbeers Oper Tribut zollte. Vergleichbar enthusiasmiert zeigte sich das Publikum; es applaudierte dem Werk auf den Bühnen aller Länder. Nach einer langen Phase der Meyerbeer-Vergessenheit regt sich seit einigen Jahren neues Interesse für sein Werk. Wichtige Hilfestellung bei der Neuerschließung dieses für viele inzwischen fremd gewordenen Musiktheater-Kontinents leistet dabei die kritische Meyerbeer-Werkausgabe, in der kürzlich als erste Oper «Robert le Diable» erschienen ist. Befreit vom Traditionsschutt einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Sieghart Döhring

Weitere Beiträge
Neue Räume, neue Klangwelten

Es ging in der Vorlesung nicht um Oper. Dennoch eignete der Aktion von drei Studentinnen der Uni Frankfurt, die im April 1969 vor Theodor W. Adorno provokativ ihre Brüste entblößten, etwas definitiv Opernhaftes. Dabei hatte der Philosoph das Genre längst für tot erklärt, sei es doch «das Paradigma einer Form, die unentwegt konsumiert wird, obwohl sie nicht nur ihre...

Auf der Wippe

Der Zwangseintritt in ein Kloster war im 18. Jahrhundert das Los vieler «überzähliger» Töchter, für die ihre Familien keine Mitgift aufbringen konnten (oder wollten). Die Konvente waren voll von Frauen, die dort ohne jede geistliche Berufung ihr Leben quasi in Haft verbrachten. Der viel kritisierte Materialismus der Manon hat also eine nachvollziehbare Ursache: Er...

«Zur Besinnung kommen»

Die Entstehungsgeschichten von «Krieg und Frieden» als Roman und als Oper weisen verblüffende Parallelen auf. Als Tolstoi begann, schwebte ihm eine Familienchronik mit Happy End vor. Die Dynamik jener historischen Periode, in der er das Geschehen ansiedeln wollte, führte aber zur allmählichen Weitung der Perspektive aufs große Ganze: Napoleons Russlandfeldzug, der...