Schwarze Messe

Weber: Der Freischütz
Karlsruhe | Staatstheater

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Vom deutschen Wald, dem «Jägervergnügen», Agathes guter Stube und der mitternächtlich-gespenstischen Wolfsschlucht ist nichts zu sehen in Verena Stoibers «Freischütz»-Inszenierung, für deren Konzept sie 2014 den Grazer «Ring Award» gewann. Stattdessen zeigt die nüchterne Einheitsszenerie von Sophia Schneiders Bühnenbild einen gotischen Kirchenraum – graue Säulen, die Altarmensa, einen Beichtstuhl sowie harte Kirchenbänke.

Die Dialoge von Friedrich Kinds Libretto sind gleich ganz entsorgt und durch geschwätzige Videomonologe ersetzt, in denen die Sänger wie in einer Doku-Soap ihre Figuren vorstellen und kommentieren. Das beeinträchtigt das Verständnis der Handlung und beschädigt erst recht Webers Dramaturgie. Mit ihrem kalkulierten, ja geradezu «komponierten» Kontrast von Sprechen und Singen, etwa in Kaspars Trinklied, gehören sie zur genuinen Werksubstanz.

Das Setting, das Stoiber dem Stück verpasst, betont den religiösen Subtext der Handlung und gibt mit seiner Zuspitzung der Dreieckskonstellation von Max, Agathe und Kaspar psychologische Tiefenschärfe. Max ist ein ängstlich-neurotischer, fast schon paranoider Versager, der ständig mit dem Gewehr herumfuchtelt, aber nichts trifft ...

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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Uwe Schweikert

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