Schritte ins Ungewisse

Manfred Trojahns «Septembersonate» wird bei ihrer Uraufführung in Düsseldorf zum hochpoetischen Plädoyer für die Fantasie(n) eines Künstlers

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Wer bin ich, und wie kann ich mich davor verstecken», war die Leitfrage des «Enrico», mit dem Manfred Trojahn 1991 seine Karriere als Opernkomponist begann. Dort erkennt der durch den Sturz bei einem Maskenspiel wahnsinnig gewordene Protagonist, der sich fortan für den deutschen Kaiser Heinrich IV. hält, eine einzig -artige Chance: die Rolle auch nach dem Verschwinden des Wahns weiterzuspielen.

Zwanzig Jahre später wird der Held von Trojahns «Orest» aus der Fremdbestimmung heraustreten: Der am Ende freigesprochene Muttermörder kündigt seinen Göttern und beschreitet auf der Suche nach einer neuen Identität den Weg ins Ungewisse, in eine neue Ordnung, die noch keiner kennt.

Nun erscheint eine weitere neue Wendung in Trojahns Theater der Selbstbefragung: Im Mittelpunkt seiner «Septembersonate» steht kein Kaiser, keine Figur des Mythos, sondern ein alltäglicher amerikanischer Schriftsteller, Osbert Brydon, der im Herbst seines Lebens aus Europa an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt und sich fragt, was wohl aus ihm geworden wäre, wenn er im New York der Immobilienspekulanten geblieben wäre, wie es seine Familie für ihn vorgesehen hatte. Osbert trifft auf die Spielkameradin seiner ...

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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 4
von Klaus Heinrich Kohrs

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