Schritte ins Ungewisse
Wer bin ich, und wie kann ich mich davor verstecken», war die Leitfrage des «Enrico», mit dem Manfred Trojahn 1991 seine Karriere als Opernkomponist begann. Dort erkennt der durch den Sturz bei einem Maskenspiel wahnsinnig gewordene Protagonist, der sich fortan für den deutschen Kaiser Heinrich IV. hält, eine einzig -artige Chance: die Rolle auch nach dem Verschwinden des Wahns weiterzuspielen.
Zwanzig Jahre später wird der Held von Trojahns «Orest» aus der Fremdbestimmung heraustreten: Der am Ende freigesprochene Muttermörder kündigt seinen Göttern und beschreitet auf der Suche nach einer neuen Identität den Weg ins Ungewisse, in eine neue Ordnung, die noch keiner kennt.
Nun erscheint eine weitere neue Wendung in Trojahns Theater der Selbstbefragung: Im Mittelpunkt seiner «Septembersonate» steht kein Kaiser, keine Figur des Mythos, sondern ein alltäglicher amerikanischer Schriftsteller, Osbert Brydon, der im Herbst seines Lebens aus Europa an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt und sich fragt, was wohl aus ihm geworden wäre, wenn er im New York der Immobilienspekulanten geblieben wäre, wie es seine Familie für ihn vorgesehen hatte. Osbert trifft auf die Spielkameradin seiner ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 4
von Klaus Heinrich Kohrs
Gleich drei Mal reiste Igor Strawinsky von Los Angeles nach Baden-Baden, um im Hans-Rosbaud-Studio seine Werke einzustudieren und aufzunehmen. Auch Paul Hindemith, Luigi Nono, Olivier Messiaen und Karlheinz Stockhausen waren mehrfach zu Gast, der junge Pierre Boulez startete hier seine Karriere als Dirigent. Das 1950 in nur sechs Monaten für seinerzeit 500 000...
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Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der...
