Schrecklich gut gemeint
Die Grenzen dessen, was Singen sein kann, zieht der landläufige Opernbetrieb eher eng. Wer abseits der europäischen Hochkultur erfahren will, was außerhalb Europas oder außerhalb der Kunst als schöner oder ausdrucksvoller Gesang gilt, konnte in den vergangenen Jahren bei den Internationalen Festspielen in Bergen mitreißende Erfahrungen machen. An der norwegischen Westküste zeigte man sich stets gastlich für den inner- wie außereuropäischen Exotismus bei der Stimmbildung.
Der georgische Männerchor «Rustawi» beispielsweise stellte dort im Jahr 2012 einen Vokalklang vor, der sich an der Bläserintonation von Tierhörnern oder Doppelrohrblatt-Instrumenten orientierte und reich war an farbig abreißenden Apokopen. Großartige Sängerinnen wie Benedicte Maurseth, Berit Opheim Versto und Åsne Valland Nordli haben alte Gesangstechniken der norwegischen Bauernkultur verinnerlicht und dabei den Klang der Hardangergeige, aber auch dörflicher Pfeifen und Flöten auf ihre Stimmen übertragen. Das Vokalensemble «Nordic Voices» beherrscht sogar den chorischen Obertongesang, bei dem jeder Sänger über einer tiefen Grundschwingung durch variable Stellung der Mundhöhle aus der Basisfrequenz eine ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jan Brachmann
Impressum
55. Jahrgang, Nr 7
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752269
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 10.06.2014
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Sehen sie nicht alle irgendwie geklont aus? Die Damen hinter den neonbeleuchteten Schaufenstern im Amsterdamer Rotlichtbezirk tragen uniform Perücken, sitzen, wenn überhaupt, in engem Latex da, blicken ausdrucklos unter dicken Makeup-Schichten oder zeigen totaloperierte Brüste. Und in dieser Gegend neben dem Hauptbahnhof scheint auch Àlex Ollé seine ästhetischen...
Bleich sieht er aus, wenn er so in die Leere starrt. Leise tönt seine Stimme. Mehr singt es aus ihm, als dass er die Initiative ergreifen würde. A-Dur ist plötzlich eine fahle, weiße Tonart und «Là ci darem la mano» alles andere als eine Verführungsnummer. Don Giovanni holt seine Gedanken aus weiter Ferne. Mit der kleinen, drallen Zerlina jedenfalls, deren Augen...
