Schocktherapie für Giovanni
In den vier Jahren seit ihrer Gründung hat sich die Heartbeat Opera unter New Yorks Off-Broadway-Kompanien mit ihrem Markenzeichen hervorgetan: Bekannte Repertoirestücke werden auf brandaktuelle Themen abgeklopft, beschnitten, umgestellt, kurz: pointiert. Dabei können sich die künstlerischen Leiter Ethan Heard und Louisa Proske auf ein fähiges Musikerteam stützen. Daniel Schlosberg besorgt Kammerarrangements, Jacob Ashworth teilt sich mit ihm die Adaptions- und Dirigierpflichten. Auf der Höhe der Zeit soll das Ergebnis sein, deshalb für Opernneulinge wie -kenner geeignet.
Ein ehrgeiziger Anspruch. Zwar stellt sich nicht immer der erhoffte Aha-Effekt ein, langweilig geht es in Heartbeat-Produktionen dennoch nie zu – und das musikalische Niveau ist hoch.
Letztes Jahr nahm Heard mit «Madama Butterfly» das Yellowfacing und den westlichen Asien-Blick aufs Korn. Proske verlegte ihre brillante «Carmen» unterdessen an die mexikanisch-texanische Grenze, wo sie José als US-Beamten patrouillieren und Bizet-Handyklingeltöne eine Schlüsselrolle spielen ließ. Das diesjährige Spring Festival präsentiert sich mit einem Black Lives Matter-«Fidelio» sowie einem #MeToo-«Don Giovanni». Für die ...
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Die Wiederentdeckung der Grand Opéra und ihres wichtigsten Vertreters Giacomo Meyerbeer auf der Opernbühne geht voran. Da konnte es nicht ausbleiben, dass mit Gaspare Spontini auch einer seiner Wegbereiter in den Fokus des Interesses gerät. Der gebürtige Italiener und naturalisierte Franzose war, als Hofkomponist Napoleons und langjähriger Berliner...
Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt....
Das umfangreiche Œuvre von Louis Andriessen, dem 79-jährigen Doyen der niederländischen Avantgarde, ist hierzulande kaum bekannt. 2014 präsentierte Heiner Goebbels «De Materie», eines seiner Hauptwerke, bei der Ruhrtriennale – keine Oper, sondern ein spröder, didaktisch überfrachteter theatraler Essay über das Verhältnis von Materie und Geist, Gesellschaft und...
