Schneeweißchen, Rosenrot und die beiden Brüder

Neue Opernmärchen und Recitals von Anna Netrebko, Renée Fleming, Simon Keenlyside, Bryn Terfel und anderen

Opernwelt - Logo

Die Akzeptanz des Unwahrscheinlichen, des Märchenhaften war stets ein bezeichnendes Merkmal der Oper. Nicht nur, weil der Aficionado es unter anderem goutiert, dass ein gestandener Embonpoint als Jung-Siegfried oder eine Matrone als zartes Mädchen Pamina sich geriert. Sondern weil insgesamt Märchen, Sagen, Legenden das Arsenal des Genres bilden, wie es sich auch in den Programmen der neuen Recitals von Renée Fleming und Anna Netrebko dokumentiert.

Die beiden Sopranistinnen lassen den Rezen­senten irgendwie an das Märchen von Schneeweißchen und Rosenrot denken, zumal ihre Timbres derartige Allusionen provozieren: Das der Fleming ist wie Honig, in sämige Milch eingerührt (bis auf die extreme Höhe, die hier vergleichsweise dünn klingt). Das der Netrebko wie dunkles Gold auf rotem Samt.
Im Übrigen ist auch der bei den Brüdern Grimm involvierte Bär, der als güldener Prinz sich entpuppt, in beiden Fällen mit von der Partie. Und zwar in Gestalt des umtriebigen, stoppelbärtigen Valery Gergiev. Mit seinem Gimmick, den gleich einem nervösen Vogelschwarm flatternden Händen, scheint er die Musik zu formen wie ein Bildhauer sein Material, was leider nur im DVD-Trailer zum Fleming-Recital zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: CDs, Seite 52
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Märchenwald, Mysterienspiel, Mummenschanz

Alberto Zedda, der immer noch anste­ckend vitale Künstlerische Direktor des Rossini-Festivals, kann sich glücklich schätzen, in seiner Talentschmiede jedes Jahr begabten ­Belcanto-Nachwuchs hervorzubringen. Den Spitzenplatz ersang sich in diesem Jahr der blutjunge Tenor Francesco Meli. Seine Stimme steht der von Juan Diego Flórez an Koloraturengeläufigkeit in...

Banalitäten und Genialitäten

Wenn er daherkäme wie Hans Pfitzners Palestrina in der In­szenierung von Nikolaus Lehnhoff 1999, niemand könnte ihm böse sein: der Intendant als resig­nierter Romantiker im öffentlich-kommunalen Musikbetrieb. Zehn Jahre ist Tobias Richter nun in Düsseldorf, und schon die Bedingungen zu seiner Amts­übernahme waren keineswegs dazu angetan, ihn zum Strahlemann der...

Vom Hudson River an die Salzach

Totgesagte leben länger: Samuel Barbers oft geschmähte Oper «Vanessa» erscheint ein halbes Jahrhundert nach ihrer Entstehung nicht nur verstärkt auf Spielplänen, sie ist innerhalb weniger Jahre auch in drei verschiedenen CD-Produktionen herausgekommen. Zur klassischen Met-Aufnahme von Dimitri Mitropoulos gesellten sich letzthin Einspie­lungen aus der Ukraine (Gil...