Schlicht umwerfend

Franziska Heinzen und Benjamin Mead brechen eine Lanze für die Lieder der Groupe des Six

«Wir brauchen eine Musik für die Erde, EINE MUSIK FÜR ALLE TAGE», forderte Jean Cocteau 1918 und scharte als ihr Wortführer eine Gruppe junger Komponisten um sich, die ein Kritiker «Les Six» nannte. Schlichtheit, Klarheit, Lakonie, Maß und Esprit bis zur clownesken Selbstironie waren, in Anlehnung an das Vorbild Erik Saties, deren antiromantisches Stilideal: «Weder Musik, in der man schwimmt, noch Musik, auf der man tanzt: MUSIK, AUF DER MAN GEHT», wie es bei Cocteau heißt.

Hierzulande, wo das Schöne, das sich leicht und populär gibt, vom Publikum meist verabscheut wird, ist diese typisch französische Kunst, sich musikalisch gleichsam auf die Straße zu begeben, nie recht heimisch geworden. Umso erfreulicher das Konzept­album von Franziska Heinzen (Sopran) und Benjamin Mead (Klavier), das jetzt auf dem exquisiten Münchner CD-Label Solo Musica vorliegt.

Ausgangspunkt des überzeugend komponierten Programms ist das 1920 erschienene «Album des Six», das einzige Gemeinschaftswerk der kurzlebigen Gruppe. Mead spielt die raffiniert schmucklosen Klavierstücke, unter denen Francis Poulencs bewusst banale «Valse» und Arthur Honeggers zeremoniöse «Sarabande» herausragen, mit spröder Eleganz. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 42
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Editorial Juni 2021

Ja, man könnte ... Man könnte wütend werden angesichts der politischen Hilflosigkeit, die im einstigen Land der Dichter und Denker herrscht, insbesondere wenn man sieht, wie brüsk die Herrschenden den Wert von Kunst und Kultur von der Hand weisen, indem sie per Bundesverordnung die im Grundgesetz verankerte föderale Struktur aus den Angeln heben und Theater nach...

Magie und Vergänglichkeit

Keine wie sie ist so sehr Bühne. In keiner anderen Stadt machen Frauen und Männer einander solch opernreife Szenen der Leidenschaft. Nur hier wirken Identitätentausch und Simulation im Rollenspiel des Karnevals vollkommen natürlich und kunstvoll zugleich. Nirgends gehört das Singen von mittelprächtigen «O sole mio»-Tenören so selbstverständlich zum Leben wie am...

Musikalisch wertvoll

In seinem zum Diamanten geschliffenen Essay «die oper erwirbt mir die Märtirerkrone» über die anhaltende Debatte um Beethovens einziges Musiktheater hat der Publizist Uwe Schweikert mit gespitzter Feder darauf verwiesen, dieses gleiche im Grunde der Quadratur des Kreises. Einmal, weil die «kleingeschneiderte Singspielidylle», wie sein in der Causa nicht minder...