Schlagzeuggewitter
Iannis Xenakis muss gespürt haben, dass seine «Oresteia» mehr geworden war als eine bloße Schauspielmusik: Als er seine zwanzig Jahre zuvor für Chor und perkussiv dominiertes Instrumentalensemble entstandene Komposition 1987 für die erste szenische Aufführung überarbeitete (und ziemlich drastisch einkürzte), schob er das Werk durch eine groß angelegte Soloszene zugleich von der Theater- in Richtung Opernbühne. Fünf Jahre später komplettierte er eine weitere, ebenfalls für falsettierenden Bariton geschriebene Einlage dieser Transformation.
In ihrer endgültigen Fassung ist Xenakis’ Aischylos-Adaption ein packendes Stück Musiktheater und musikalisch ein faszinierender Balanceakt zwischen archaischer Strenge und entfesselter Ekstase.
Umso erstaunlicher, dass «Oresteia» nur selten gespielt wird – auch an Warschaus Teatr Wielki springen unter der zielgerichteten Leitung von Franck Ollu die rhythmischen Funken der virtuosen Schlagzeugpassagen, die herbe Direktheit des dissonanten Bläsersatzes und die Wucht der vom Chor unisono skandierten griechischen Verse ganz unmittelbar aufs Publikum über. Im kleinen, nur knapp 200 Zuschauer fassenden Saal entwickelt Xenakis’ Musik so eine physische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Klappern gehört zum Handwerk. Es reicht nicht, Gutes und Schönes zu tun. Man muss auch darüber sprechen. Und dafür sorgen, dass darüber gesprochen wird. In Zeiten knapper Kassen und schiefer Haushaltslagen gilt diese Erkenntnis mehr denn je. Schon ein flüchtiger Blick auf die neuen Jahresbroschüren der Häuser bestätigt die Bedeu-
tung, die dem Marketing zugemessen...
Es ist ganz normal, dass ein Werk mit sakralem Inhalt in einem sakralen Raum uraufgeführt wird. Dennoch haftete der Premiere von Wilfried Hillers «Der Sohn des Zimmermanns» etwas Besonderes an: Das Auftragswerk der Abbé-Vogler-Musikstiftung wirkte im Kiliansdom auch deshalb ergreifend, weil es punktgenau überging in das um 21.20 Uhr anhebende Glockengeläute zum 65....
Er sei einfach der «aller-, allerbeste Intendant der Welt», schrieb die Fränkin Waltraud Meier, als der Franke Wolfgang Wagner 75 wurde. Sie brachte damit zum Ausdruck, was alle dachten und spürten: dass dieser Enkel des großen Richard motivieren konnte wie kein zweiter Theaterchef. Weil er immer da war, wenn man ihn brauchte, ansprechbar, offen, nie um eine (oft...
