Scherzo im Container
Auf ein Neues! Der Freiburger «Ring» ist auf seiner dritten Station bereits bei seinem dritten Dirigenten angekommen. Fabrice Bollon, seit dieser Saison GMD, wird das Unternehmen auch 2010 zum Zyklus bündeln. Wie er und das propere Philharmonische Orchester Freiburg nun den «Siegfried» ausbreiteten, das ist schlicht bravourös.
Diese Wagner-Deutung mag anfangs zum überkorrekten Nachbuchstabieren neigen – sie hat gleichwohl beträchtliches Format, stellt vor allem die nach zwölfjähriger Kompositionspause gereiften Mittel aus und platziert im dritten Akt ein paar überwältigend ausholende emotionale Höhepunkte. Insgesamt dominiert indes der gerade in den Holzbläsern minuziös ausgetüftelte und nicht selten brillant zugeschliffene Scherzo-Charakter des Werks. Ähnlich wie schon im «Freischütz»: ein deutlich konturierter, merklich aufgehellter, vielleicht tatsächlich «französischer» Klang mit denkbar sensibler Feinzeichnung – so bei Mimes Bericht von Siegfrieds Geburt.
Hier, in den nachdenklichen tenoralen Lyrismen, hat auch Gunnar Gudbjörnssons Titelheld schöne, innige Momente. Ansonsten ist dieser massige Shorts-Teenie der vokale Problemfall der Aufführung. Gerade weil er an Berghaus’ und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Erinnern wir uns. Erinnern wir uns an Helsinki, September 2004. An das Meer, das auf unerklärliche Weise den Weg auf die Bühne der Finnischen Nationaloper genommen hatte, und an diesen transparenten, weiß und schwarz schimmernden Nachen, wie von Lohengrin ersonnen, aber nicht von ihm gezogen, darin ein Mann den Weg zur fernen, ja unsterblichen Geliebten suchte und...
Man muss nicht immer Opern gegen den Strich bürsten. Stoffe wie «Così fan tutte» entfalten gerade ohne krampfhafte Aktualisierung großen Reiz. Bei der Züricher Neuproduktion verlegt Sven-Eric Bechtolf die Geschichte in die Entstehungszeit des Werkes. Im wissenschaftsgläubigen Zeitalter der Aufklärung ist der von Don Alfonso (präsent: Oliver Widmer) angeregte...
Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt....
