Scheibe, Treppe, Nichts
Man kommt kaum umhin, bei ihren Bühnenbildern an Peter Brooks wunderbar zeitlosen Essay «Der leere Raum» zu denken, und ebenso an diese dialektische Kunst der Fülle innerhalb der Abwesenheit von Material. Katrin Lea Tags Bühnen zeichnen sich – wie ebenfalls ihre Kostüme – durch eine radikale, ins Bild übersetzte Gedankenschärfe aus. Sie verkleiden nicht(s), sondern öffnen sich und damit die Fantasie des Zuschauers. Sie arbeiten mit klaren Zeichen, bauen auf strenge Grundelemente auf.
Es sind Räume voller (widersprüchlicher) Assoziationen, mit Möglichkeiten der Deutung außerhalb der Konkretion; Räume, die nicht gleich alles definieren, sondern danach streben, dehnbare Zustände zu beschreiben, sei es Enge oder Weite, sei es die Unendlichkeit oder etwas Klaustrophobisches
Ihren letzten Bühnenraum haben (hoffentlich vorerst) nur noch wenige gesehen. Nach drei Vorstellungen der Neuinszenierung von «Salome» an der Oper Frankfurt hat Corona das Licht abgedreht. Im Nachhinein wirkt Katrin Lea Tags Bild, das sie für die gleißendste Opernpartitur von Richard Strauss gefunden hat, wie ein Menetekel: nichts als schwarz. Mit Regisseur Barrie Kosky war sie sich einig, auf jedwede Form von ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Bühnenbild des Jahres, Seite 28
von Karl Harb
Eine Überraschung ist es nicht: Schon in den vergangenen Jahren hat Tobias Kratzer mit extravaganten, faszinierend verstörenden, dabei stets diskursiven Regiearbeiten das gesteigerte Interesse von Publikum und Kritik auf sich gezogen. Seine «Tannhäuser»-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2019, die nun zur «Aufführung des Jahres» gewählt wurde und für die...
Kein anderes Werk des Standardrepertoires weckt so viel geballtes Unbehagen wie Beethovens einzige Oper «Fidelio». Gibt man nicht gleich dem Komponisten selbst die Schuld, indem man dem Theaterfremden die Begabung zum Opernschreiben rundweg abspricht, so mindestens den beteiligten Librettisten, denen es selbst in drei Anläufen nicht gelungen sei, ein dramatisch...
Meine frühesten Opernerfahrungen datieren in die 1960er-Jahre zurück. Sie bestanden aus stundenlangem Anstehen um Karten, aus dem Erlebnis einer Vorstellung, bei der für die 14-, 16- oder auch 20-Jährige alles aufregend neu war – das Werk, die Aufführung, die Sänger, das ganze Drumherum –, und aus dem Blick in die Zeitung zwei Tage später, um zu erfahren, was der...
