Schaum der Jahre
Blumentapete? Die Marschallin hält in stilisiert neoklassizistischen Gemächern Hof. So könnte heute ein Design-Hotel aussehen. Die pastellfarbenen Wände tragen großformatige Lilien – ein Adelssignet. Sophies Zimmer hat Paul Steinberg ebenfalls floral dekoriert, diesmal bürgerlicher, Richtung Jugendstil. Blumen auch im Beisl: ein psychedelisches 60er-Jahre-Muster. Der Bühnenbildner übersetzt die halb ironische, halb verklärende Nostalgie des «Rosenkavalier» in Retro-Schick.
Ein goldenes Waschbecken? Nein, allerdings steht Kate Royal, die Marschallin, am Anfang nackt in der Wanne und duscht. Müssen die Sänger sich verrenken? Eher nicht, ein paar quasi-choreografische Momente gibt es aber schon. Aufzuspringen und laut «Bingo!» zu rufen, weil typische Charakteristika einer Richard-Jones-Inszenierung zu finden sind, verkneifen wir uns: So etwas scheint einfach nicht angebracht auf diesem prachtvollen Anwesen, wo ein strenger Dresscode gilt, wo man sich in der Pause jederzeit das neueste Equipment des weltgewandten Profi-Picknickers vorführen lassen und – vorausgesetzt, man schaffte es von einem Beet zum anderen, ohne mit den High Heels im Rasen stecken zu bleiben – allerorten ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff
Adriana Hölszky zählt heute zu den innovativsten, profiliertesten Komponistinnen der Gegenwart – umso mehr, als sie sich, anders als so manche prominenten Zeitgenossen, nicht vom Projekt der Moderne verabschiedet hat. Aus Anlass ihres 60. Geburtstags sind 2013 zwei Veröffentlichungen erschienen, die Annäherungen an die gleichermaßen komplexen wie weitverzweigten...
Peter Konwitschny ist mit Johann Sebastian Bach groß geworden. Weil sein Vater Franz von 1949 bis 1962 Gewandhauskapellmeister war, wuchs er in der Bach-Stadt Leipzig auf. Viel später, an der Oper, wo er von 2008 bis 2011 Chefregisseur war, begann er, sich die Kantaten vorzunehmen: «Ich habe genug» war 2009 die erste, 2010 folgte «O Ewigkeit, du Donnerwort» (BWV 60...
Am Ende steht ein roter Punkt. Er prangt auf einem überdimensionalen Schwarzweißfoto, das die tote Mimì zeigt. Schon drängen sich die Atelier-Besucher um das Bild der Toten. Das Sterben als Attraktion, als Kunstwerk, als Ware. Tod geht immer gut. Eine sichere Nummer auf jeder Vernissage. Das Bild der Hingegangenen mit rotem Punkt – schon verkauft.
Andrea Moses hat...
