Günther Groissböck als Kaspar in Mailand; Foto: Mailänder Scala
Schauerromantisch
Als sich Max und Agathe im Finale zusammen davonmachen (aus dem von Ottokar verlangten Probejahr wird nichts), fügen sich die rotbemalten Höllenwesen, die die Programmhefte bei sich tragen, in das Gotteslob ein. Eine Last-Minute-Kuriosität in einer Inszenierung, die bis hierhin brav auf dem Pfad der Buchstäblichkeit geblieben war. Es fehlt an nichts: Nach dem zweiten Kugelguss stiebt ein schwerer schwarzer Eber auf die Bühne.
Fröhliche Dörfler tragen Folkloristisches, etwa Kopfschmuck à la Jenůfa (die Handlung spielt im ländlichen Böhmen), dazu gibt’s jede Menge Blumen, Flaggen, Federn.
Für den neuen «Freischütz» an der Scala – wo es das Stück zuletzt 1998 gab – trat als Regisseur Ex-Burg-Direktor Matthias Hartmann an, Alexander Pereira seit Langem verbunden. In Anbetracht der Tatsache, dass das italienische Publikum Webers Oper kaum kennt, ist «Werktreue» vermutlich ein kluger Ansatz. Besonders gut kommt die Schauerromantik der Wolfsschluchtszene an: verkohlte Bäume, Schummerlicht, züngelnde Flammen, allerhand unheimliche Gestalten. Unmut rufen, wie man dem Pausengemurmel entnehmen konnte, lediglich die Neonröhren hervor, die Berge, Kapelle und Wirtshaus heraufbeschwören sollen. ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Carlo Vitali
«Mozart … The supreme decorator». So lautete der Titel einer Arien-Anthologie, mit der Charles Mackerras zeigte, wie Mozart seine Musik auszierte; zum einen, um junge Sängerinnen in die Gesangskunst einzuweisen, zum anderen, um «die Expressivität oder die Brillanz einer Arie durch eine sinnvolle Hinzufügung zusätzlicher Noten, Effekte und Kadenzen zu steigern»....
Die Wanduhr steht auf 6:57. Zwei, drei, vielleicht fünf Minuten, dann wird es vorbei sein. Von der Seite schauen Wachleute ungerührt zu dem Mann herüber, der, auf einer Pritsche festgeschnallt, noch mal den Kopf hebt und verzweifelt durch das bruchsicher verglaste Fenster blickt, hinter dem eine Gruppe Zivilisten sitzt, stumme Zeugen seiner Hinrichtung. Das...
Vor der Endrunde herrscht in der Gütersloher Stadthalle hinter der Bühne aufgekratzte Stimmung. Die zehn Finalisten huschen festlich aufgerüscht, summend und trillernd in die Maske, schließlich wird das Finale live im Internet gestreamt. Legerer sind die Verlierer der letzten Runden, die noch vor Ort sind und alles andere als Missgunst verbreiten. Sondern...
