Salonrevoluzzer
Nicht Falstaff gab den Helden an der Berliner Staatsoper, nicht Parsifal, Daniel Barenboim war es. An den neun Festtagen seines Osterfestivals stand der nie Ermüdende sieben Abende lang am Pult und dirigierte die Letztwerke Verdis und Wagners, je zweimal «Parsifal» und «Falstaff» – und wie zur Entspannung dazwischen im Konzert Mahlers Siebte (mit den Wiener Philharmonikern) und Debussys raren «Martyre de Saint Sébastien». Von Ermattung der Staatskapelle oder ihres Chefs auch in der zweiten «Falstaff»-Aufführung keine Spur.
Barenboim, der altgediente Wagner-Kämpfer, stürzte sich Hals über Kopf ins lospolternde Verdi-Vorspiel und ließ hören, wie sehr ihn die subtile Komik der genial durchrhythmisierten Partitur mitreißt, ihn zum Kommunizieren in elaboriertester Klangsprache antreibt – auch wenn das ästhetische Gegenmodell des deutschen Bühnenweihfestspiels gelegentlich hereinwehen mochte ins nunmehr sanierte, akustisch aufgerüstete Knobelsdorffhaus Unter den Linden.
Barenboim hat keineswegs nur die breite Ernsthaftigkeit deutscher Orchestersprache verinnerlicht, man spürt seine Lust, das elegant Tänzelnde oder die auftrumpfende Herrschaftsmanier des sich mal einschmeichelnden, mal ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wolfgang Schreiber
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