Missverständnis

Janáček: Aus einem Totenhaus
Frankfurt | Oper

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Janáčeks letzte Oper differiert an einem neuralgischen Punkt von ihren Vorgängerwerken. Nicht das Einzelschicksal, wie in «Jenůfa», «Die Sache Makropulos» oder «Katja Kabanowa», steht im Fokus. Der Blick des Komponisten richtet sich auf das Kollektiv der gequälten Kreaturen, auf deren körperliche wie moralische Verrohung, sprich: auf die condition humaine, wie sie angesichts unhaltbar-grauenvoller Zustände pulverisiert.

Das titelgebende «Totenhaus» dient hierbei als Metapher für eine entzauberte Welt, in der Janáček seine Figuren leiden lässt, auf der Suche nach dem göttlichen Funken in sich. «Sie wissen, wir alle träumen vom Paradies, vom Himmel, und kommen doch nie hinein», heißt es in einem Brief an die Geliebte Kamila Stösslová.

Patrice Chéreau und Barrie Kosky haben dies auf gnadenlos-grandiose Weise gezeigt. Haben die Depravation einer (ein-)geschlossenen Gesellschaft in den Mittelpunkt gerückt, die drei großen Erzählungen aus diesem «Kern» deduziert. David Hermann geht in Frankfurt den umgekehrten Weg. Er richtet sein Augenmerk auf das Individuum als Opfer der Verhältnisse. Als Inititial dient ihm jener Satz aus dem Libretto, den schon Dostojewskis «Erzähler» Alexander ...

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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Jürgen Otten

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